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Weltweiter Hunger nach Rohstoffen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Wettbewerbshüter bringen Allianz von Rio Tinto und BHP zu Fall. | Voestalpine forciert ihre Eigenversorgung. | Sydney/Wien. Rohstoffe bewegen die Welt. Ohne sie gäbe es keine Häuser, keine Autos, keine Computer und auch keine Mobiltelefone. Rund um den Globus ist der Bedarf an Rohstoffen wie Eisenerz, Kupfer, Zink oder Nickel derzeit so hoch wie nie. Und er steigt weiter. Der Grund dafür sind aufstrebende Mächte wie China, die immer mehr Rohstoffe brauchen, damit ihr Wachstumsmotor nicht ins Stottern kommt.


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Schon vor der Wirtschaftskrise waren Bodenschätze heiß begehrt. Dieser Boom hat im Bergbausektor zu einer hohen Machtkonzentration geführt. Mittlerweile dominieren drei große Minenkonzerne den Weltmarkt: der brasilianische Bergbaugigant Vale und die beiden britisch-australischen Riesen BHP Billiton und Rio Tinto. Nach der Übernahme vieler kleiner Minen in allen Teilen der Welt können sie die Preise fast nach Belieben diktieren.

Besonders mächtig sind die drei Großen bei Eisenerz, das in der Stahlindustrie der wichtigste Rohstoff ist (neben Kohle). Im Frühjahr haben sie die bis dahin üblichen Ein-Jahres-Verträge gekippt und auf vierteljährliche Lieferverträge umgestellt. Die Preise orientieren sich dabei am Spotmarkt, was im Vierteljahres-Rhythmus stärkere Schwankungen zur Folge hat und für die Stahlerzeuger unterm Strich teurer ist. Mit der Umstellung auf Spotpreise mussten Stahlkocher weltweit plötzlich doppelt so viel für Eisenerz zahlen. Dass der Einkauf wieder spürbar billiger wird, zeichnet sich vorläufig nicht ab.

Monopolähnliche Zustände

Gerade bei Erz herrschen nahezu monopolartige Zustände - zumal die drei großen Förderer Vale, Rio Tinto und BHP Billiton rund 70 Prozent dieses Marktes kontrollieren. Um ihre Macht weiter zu bündeln, wollten BHP Billiton und Rio Tinto ihre Erzproduktion im Westen Australiens in ein Joint-Venture einbringen. Der Deal hätte ein Volumen von 116 Milliarden Dollar (mehr als 83 Milliarden Euro) gehabt, scheiterte aber an der Zustimmung mehrerer Kartellbehörden.

Am Montag sagten beide Konzerne das erstmals Mitte 2009 angekündigte Vorhaben ab. Auch die Wettbewerbshüter der EU und das deutsche Kartellamt hatten zuvor Widerstand gegen den geplanten Zusammenschluss angemeldet.

BHP ist damit zum zweiten Mal daran gescheitert, sein Eisenerz-Geschäft mit dem des heimischen Konkurrenten zusammenzuspannen. Schon 2008 wollte der Konzern Rio Tinto feindlich übernehmen, wegen der aufkommenden Finanzkrise waren diese Pläne jedoch abgeblasen worden.

Aufatmen in Stahlindustrie

Mit den nun ebenfalls geplatzten Plänen für ein gemeinames Unternehmen bei Erz hätten BHP und Rio Tinto den Weltmarktführer Vale von seiner Spitzenposition verdrängt. Die jetzige Absage lässt die Stahlbranche jedenfalls aufatmen. Denn viele Unternehmen hatten für den Fall einer Allianz weitere Verteuerungen bei Erz befürchtet, die nur schwer an die eigenen Kunden (aus der Autoindustrie und anderen Branchen) weiterzugeben wären.

Auch die österreichische Voest alpine war in Sorge gewesen. Die Linzer beziehen zwar rund 40 Prozent ihres Erzbedarfs aus der Ukraine und 25 Prozent aus einer südafrikanischen Mine. Von Vale, BHP und Rio Tinto stammen aber immerhin 15 Prozent. Um die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten generell zu reduzieren, will die Voest, die zu rund 20 Prozent auch Selbstversorger ist, den steirischen Erzberg, ihren Hausberg, stärker nutzen. In Zukunft soll der Selbstversorgungsanteil auf 30 Prozent hochgefahren werden.

Geplant ist eine neue Anlage, mit der Erz zu hochwertigen Eisenpellets gepresst wird, die dann in den Linzer Hochöfen zu Stahl weiterverarbeitet werden können. Als Investitionssumme sind 180 Millionen Euro veranschlagt, bis zu 150 Arbeitsplätze sollen damit geschaffen werden. Den Projektstart verhindert derzeit nur noch die fehlende EU-Regelung für die nötigen CO2-Zertifikate ab 2013.

Verglichen mit der Voestalpine steht der österreichische RHI-Konzern, der feuerfeste Produkte für Industrieöfen herstellt, etwas besser da. Sein Eigenversorgungsgrad (bei Magnesit und Dolomit) liegt bei rund 50 Prozent. In Österreich betreibt die RHI drei Bergbaubetriebe. Durch Zukäufe im Ausland will das Unternehmen seine Rohstoffbasis künftig verbreitern.