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Wenig Aufwand für weniger Stress

Von Matthias Nagl

Wirtschaft

Zur Verringerung der Arbeitsbelastung und Vorbeugung von psychischen Erkrankungen braucht es nicht viel.


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Salzburg. Es wäre eine Chance, die Produktivität zu erhöhen, wird aber oftmals noch als Belastung und Herausforderung gesehen. Auch fast zwei Jahre nach Novellierung des Arbeitnehmerschutzgesetzes mit Anfang 2013 sehen viele Unternehmen die damals erfolgten Neuerungen nicht unbedingt als Hilfe. Zentraler Punkt der Novelle war, der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz mehr Augenmerk zu schenken.

Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern müssen seither eine verpflichtende Evaluierung der psychischen Fehlbelastungen durchführen. Dabei ist nach wie vor der tabuisierende Umgang mit psychischen Belastungen ein Hemmfaktor. "Sobald es um die Psyche geht, kommen viele Vorurteile", sagt Karin Hagenauer, Arbeitspsychologin bei der Arbeiterkammer Salzburg, die sich bei einer Tagung mit dem Thema "Gesunde Arbeitsplätze" beschäftigte.

"Kurzfristigen Stresshalten wir aus"

Der Status von psychischen Belastungen als produktivitätshemmender Faktor ist weitgehend unbestritten. "Psychosoziale Risiken und Stress werden als Ursache für rund die Hälfte aller verlorenen Arbeitstage angesehen", sagt Martina Häckel-Bucher vom Zentral-Arbeitsinspektorat im Sozialministerium. Das liegt auch daran, dass stressbedingte Krankenstände mit durchschnittlich 31,9 Tagen deutlich länger ausfallen als durch körperliche Beschwerden verursachte Krankenstände.

Dabei geht es bei der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluierung weniger darum, das Potenzial psychischer Erkrankungen herauszufiltern. Entdeckt werden sollen vielmehr die kleinen, unscheinbaren Gefahrenquellen, die dauerhaft zu Stress und psychischen Belastungen führen können. Dazu kann zum Beispiel wiederholtes Telefonklingeln bei konzentrationsintensiver Arbeit zählen, genauso wie unklare Zuständigkeiten oder mangelhafte Kommunikation innerhalb des Betriebs.

Vor allem länger anhaltende Belastungen können zum Problem werden. "Kurzfristigen Stress halten wir aus. Dafür ist der Mensch geschaffen. Das langfristige ist das gefährliche", sagt Julia Steurer vom Sozialministerium. Dabei gebe es in den Betrieben aber durchaus die Bereitschaft, sich den Problemen zu stellen. "Viele Betriebe erkennen die Chance, mit der Arbeitsplatzevaluierung, Schwachstellen im Unternehmen zu beheben", sagt Steurer.

Auch Faktoren wie die Raumluft können einen negativen Effekt auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter haben. Um die Luftgüte in Österreichs Büros ist es dabei nicht besonders gut bestellt, wie eine Auswertung der Plattform MeineRaumluft.at ergeben hat. Bei 7000 Messwerten aus hunderten teilnehmenden Büros aller Betriebsgrößen wurde in mehr als 80 Prozent der Fälle zumindest einer der gemessenen Indikatoren punktuell überschritten. Vor allem bei der Luftfeuchtigkeit und beim CO2-Gehalt gab es Abweichungen von den empfohlenen Werten.

Mit der Novelle zum Arbeitnehmerschutzgesetz gilt Österreich europaweit allerdings als führend. In Deutschland etwa gibt es gegen gesetzliche Maßnahmen zur Stress-Vermeidung Vorbehalte von höchster Stelle. "Ich stehe einer Anti-Stress-Verordnung sehr kritisch gegenüber", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel erst kürzlich. Sie begründete das mit einer Ablehnung weiterer Regulierungen.

Die EU-Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hat dagegen dem Kampf gegen den Stress ihre aktuelle Zwei-Jahres-Kampagne gewidmet, die noch bis Ende kommenden Jahres läuft. Im Rahmen der Kampagne findet auch die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz vom 20. bis 24. Oktober statt.

Maßnahmen zur Stress-Vermeidung

Um die Stress-Belastung im Arbeitsalltag gering zu halten, reichen oft einfache Maßnahmen. So sorgt schon regelmäßiges Lüften für eine bessere Raumatmosphäre und höhere Konzentrationsfähigkeit. Konzentrationsfördernd ist auch die Schaffung von störungsfreien Zeiten, in denen etwa keine Telefone klingen.

Einige große Betriebe sind dazu übergegangen, den E-Mail-Zugang für die Mitarbeiter außerhalb der Gleit-Arbeitszeiten, etwa von 18.15 Uhr bis 7 Uhr Früh, zu sperren. Auch die klare Festlegung von Kompetenzen hilft, Stress zu vermeiden.