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Wenig Geld, geringe Wertschätzung

Von Kevin Yang

Wirtschaft

Friseure gehören zu den schlechtestbezahlten Berufsgruppen, nun läuft der Branche der Nachwuchs davon.


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Es ist nun so weit. Der demografische Wandel nimmt volle Fahrt auf. Die Älteren gehen in den wohlverdienten Ruhestand und die Jungen, die fehlen. In allen Branchen wird dementsprechend nach Lehrlingen gesucht. Auch das Friseurgewerbe spürt, dass der Nachwuchs fehlt, obwohl laut aktueller Market-Umfrage der Berufsstand ein durchaus gutes Image genießt. So können sich 16 Prozent der Österreicher vorstellen, den Beruf auszuüben, die Arbeit mit Menschen und die Möglichkeit, eine kreative Tätigkeit auszuüben, gelten als große Pluspunkte.

Dass die Lehrlinge trotzdem landesweit fehlen, kann Barbara H. (Name geändert), eine von über 15.000 Friseurinnen und Friseuren in Österreich, aber durchaus nachvollziehen. Die Grazerin entschied sich vor zehn Jahren für eine Friseurlehre. Ihr erstes Jahr war von Ernüchterung geprägt: kaum Kundenkontakt und geringwertige Hilfstätigkeiten im Salon. Der positive Abschluss der Lehrabschlussprüfung stand für sie kaum in Aussicht. "Es gibt halt Betriebe, die dich ausnutzen und die dich nur Putzarbeiten machen lassen. Da vergeht der Spaß an der Lehre und dann ist auch die Motivation weg.", erzählt Barbara H. aus ihrer Lehrzeit. Für den Gewerkschafter Andreas Gollner kein Einzelfall. Für ihn sprechen die Ausbildungsabbrüche vor allem nach dem ersten Lehrjahr klare Worte. Das Nachwuchsproblem im Friseurgewerbe ist laut Branchenkennern aber zum größten Teil selbst verschuldet. Während 2010 noch 4.812 Jugendliche in den Lehrberuf Friseur starteten, waren es 2021 mit 2418 nur mehr die Hälfte.

Geringer Verdienst im ersten Berufsjahr

Mitverantwortlich dafür waren neben der auch von H. erlebten geringen Wertschätzung nicht zuletzt die familienunfreundlichen Arbeitszeiten und die schlechte Bezahlung. Der Kollektivvertrag für Friseure wurde zwar heuer um durchschnittlich 9,95 Prozent angehoben. Doch zählt der Verdienst im ersten Berufsjahr mit 1.770 Euro brutto mit zu den schlechtestbezahlten Löhnen unter allen Gewerben. "Wir sind mit 1.700 knapp an der Armutsgrenze und wenn eine 19-Jährige nach der Lehre alleine in eine eigene Wohnung einziehen möchte, geht sich das nicht aus", sagt Gollner.

Die 4.163 heimischen Friseurbetriebe seien gefordert sich an der Nase zu nehmen, meint Innungsmeister Wolfgang Eder, der zwei Salons in Salzburg betreibt. Seinen Mitarbeitern bezahlt er jene 2.000 Euro, die auch von der Gewerkschaft vida als Mindestlohn gefordert werden, für weniger fände er keine Bewerber.

Branche mit Verbesserungspotenzial

Denn um Lehrlinge wird nicht nur branchenintern gebuhlt, die Friseurbetriebe stehen auch in indirekter Konkurrenz zu anderen Gewerben und der Industrie, die ebenfalls um Lehrlinge werben. Gottfried Kraft von der Friseur-Kette Klipp muss realistischerweise eingestehen, dass sein Gewerbe nur bedingt mit der Bezahlung der Industrie mithalten kann. Er sieht den Schlüssel darin die Qualität der Lehre zu verbessern. In seinen Betrieben werden Lehrlinge angehalten sich möglichst früh aktiv einzubringen. Dennoch sieht er in puncto Bezahlung noch Verbesserungspotenzial in seiner Branche. Er selbst bezahlt seinen langdienenden Mitarbeitern inzwischen 2.180 Euro brutto Grundlohn plus Zulagen.

Barbara H. lernte durch Glück die schöne Seite des Lehrberufs kennen. Sie wechselte den Ausbildungsbetrieb und wurde von ihrem neuen Lehrbetrieb bis zum Abschluss überdurchschnittlich gefördert. Für H. ist der Friseurberuf mittlerweile erfüllend, auch wenn die Bezahlung und die Arbeitszeiten noch verbesserungsbedürftig sind. Im Wesentlichen wünscht sich die Grazerin mehr Anerkennung für ihren Beruf. "Es wird einfach unterschätzt, was Friseure wirklich leisten. Jeder braucht einen, der Professor, jeder Politiker, jeder Arzt", sagt H. "Es ist ein Beruf, der viel zu wenig wertgeschätzt wird."