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Wenig Lehrstellen, mehr Jugendliche

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Damit künftig mehr Jugendliche eine Lehrstelle finden, plant Wirtschaftsminister Martin Bartenstein einige neue Maßnahmen. Zusätzliche finanzielle Anreize werde es für ausbildende Betriebe aber nicht geben, erklärte Bartenstein gestern vor Journalisten: "Wir reizen schon genug". Jährlich würden 120 Mio. Euro für Lehrlingsausbildungsprämien ausgegeben.


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Doch Wirtschaftsvertreter werden nicht müde, Änderungen zum Vorteil der Betriebe zu fordern. So plädiert der Wirtschaftsbund (WB) für eine Ausweitung der Probezeit für Lehrlinge von 3 auf 6 Monate, damit sich die Betriebe leichter wieder von Lehrlingen trennen können, die nicht entsprechen. Dies hätte den psychologischen Effekt, dass Betriebe eher Lehrlinge aufnehmen würden, meint WB-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Doch diesem Ansinnen und auch dem Wunsch, Lehrlinge jeweils mit Ende eines Lehrjahres kündigen zu können, erteilte Bartenstein gestern eine Absage: Die Probezeit sei erst vor ein paar Jahren von 2 auf 3 Monate angehoben worden - das müsse genügen. Und im Übrigen gebe es schließlich einen Unterschied zwischen einem normalen Arbeitsverhältnis und der Lehre, bei der das Ausbildungsverhältnis im Vordergrund stehe, betonte der Wirtschaftsminister. Gewerkschaft und Arbeiterkammer (AK) befürchten, dass bei einer längeren Probefrist, Unternehmen die Lehrlinge als billige Saisonarbeitskräfte ausnützen würden, was zum Teil bereits im Gastgewerbe geschehe.

Die Ausbildung von Jugendlichen in Österreich steht jedenfalls vor einer großen Herausforderung: Die demographische Entwicklung bringt es mit sich, dass die Zahl der 15-Jährigen ab 2005 um rund 8.000 Personen ansteigen werde, erklärte der Regierungsbeauftragte für Jugendbeschäftigung, Egon Blum. Bartenstein und Blum planen daher unter anderem folgende Maßnahmen:

1.) Lehrstellenaquisiteure sollen in den Betrieben Überzeugungsarbeit für die Lehrlingsausbildung leisten. Bisher wurden 500 österreichische Betriebe kontaktiert.

2.) In sogenannten Praktikerberufen mit weniger theoretischen und mehr praktischen Lerninhalten sollen auch jene Jugendliche eine Ausbildung abschließen können, die mehr praktisch orientiert sind. In Ausarbeitung sind die Varianten Metallpraktiker, Holzpraktiker sowie Natur- und Umweltpraktiker.

3.) Die Lehrgangsplätze gemäß dem Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) - wo jene ausgebildet werden, die keine Lehrstelle finden - wurden auf 7.000 aufgestockt (die AK fordert 9.000 Plätze). Zusätzlich gibt es ab Herbst 500 neue überbetriebliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf bzw. Regionen mit zu wenig Ausbildungsbetrieben.

4.) Verbesserung der Berufsberatung und Ausweitung der Schnupperlehre vom Polytechnikum auf Hauptschulen und AHS.