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Weniger Anteile, Einfluss bleibt

Von Alexander Dworzak

Wirtschaft
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Hoch hinaus will EADS-Chef Enders mit neuer Aktionärsstruktur.
© reu

Bei EADS geht auch in Zukunft nichts ohne Deutschland und Frankreich.


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Amsterdam. Auf den ersten Blick sieht es nach einem Erfolg der EADS-Spitze aus. Die von Europas Luftfahrt- und Rüstungskonzern herbeigesehnte neue Aktionärsstruktur wurde bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch in Amsterdam abgenickt. Der direkte oder indirekte Einfluss der Aktionäre Deutschland, Frankreich und Spanien sinkt damit von knapp über 50 auf 28 Prozent.

Von einer "Neugeburt des Konzerns" sprach gar EADS-Strategiedirektor Marwan Lahoud - er schränkte diese aber selbst ein: "Die Staaten werden aber immer noch etwas zu sagen haben." Schließlich verfügen sie über eine Sperrminorität. Die Relevanz der Beteiligung verdeutlicht das Vorgehen Deutschlands: Der Staat hält nunmehr direkt 12 Prozent am Unternehmensriesen, der im Vorjahr 56 Milliarden Euro umgesetzt hat; vor der neuen Aktionärsstruktur war Deutschland lediglich indirekt über den Stuttgarter Daimler-Konzern beteiligt.

Denn Kanzlerin Angela Merkel möchte auf Augenhöhe mit Frankreich agieren, das seinen Anteil auf ebenfalls 12 Prozent reduziert - jedoch über größere Mitspracherechte bei EADS verfügt. Angesichts von mehr als 50.000 Mitarbeitern in beiden Ländern will Berlin bei Forschung, Entwicklung und Produktion ein gewichtiges Wort mitreden.

Welche Bedeutung die Balance zwischen den beiden Ländern hat, zeigt die Personalie Denis Ranque. Der Franzose wird Chef des Verwaltungsrats - Konzernboss Tom Enders ist Deutscher. Als dritter staatlicher Kernaktionär bleibt Spanien an Bord, verringert seine Anteile aber auf 4 Prozent.

Nächster Anlauf bei BAE?

Während die EADS-Tochter Airbus im Jahr 2012 so viele Flugzeuge wie nie zuvor auslieferte, steckt die Rüstungssparte in der Krise; der Gewinn brach um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein. Die geplante Fusion mit der britischen BAE scheiterte im Oktober. Seitdem stieg der EADS-Aktienkurs um mehr als 50 Prozent. Enders könnte mit der neuen Aktionärsstruktur einen neuen Anlauf wagen. Damals scheiterte der EADS-Chef am Nein Merkels.