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Weniger Unfall-Tote: Aber kein Jubel bei schwächeren Verkehrsteilnehmern

Von Werner Grotte

Analysen

Der Jubel über den kontinuierlichen Rückgang der Verkehrstoten auf 727 im Vorjahr hat einen großen Schönheitsfehler: Viele tödliche Schwachstellen heimischer Verkehrspolitik bleiben weiterhin unbehandelt. Vor allem jene Verkehrsteilnehmer, die nicht (nur) Auto fahren, sind weiterhin akut gefährdet.


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So sieht die Bilanz schon deutlich schlechter aus, wenn man die Anzahl der bei Unfällen verletzten Personen betrachtet. Die letzten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2005 liegen mit 53.243 deutlich über jenen aus 1996, wo 49.670 Verletzte zu beklagen waren. Der für 2006 prognostizierte Rückgang der Unfälle um insgesamt 2,4 Prozent wird daran wenig ändern.

Die Verteilung der Opfer auf die verschiedenen Verkehrsteilnehmer zeigt, wer die Verlierer im täglichen Kampf ums Überleben sind: Auf die genannten 727 Toten kommen nämlich lediglich 382 Pkw-Insassen, also etwas mehr als die Hälfte, obwohl die Pkw mit rund 4,2 Millionen den Großteil der insgesamt 5,9 Millionen Kraftfahrzeuge bundesweit ausmachen.

Dem gegenüber starben im Vorjahr 107 Fußgänger (meist als Opfer von Autofahrern), das sind um zehn mehr als 2005. Die Zahl getöteter Radfahrer ist mit 47 gleich (hoch) geblieben. 96 getötete Motorrad- und 38 Mopedfahrer sind gegenüber den letzten Jahren auch nur insofern eine "Verbesserung", als diese in etwa gleichbleibende Zahl der Toten einer stetig wachsenden Zahl einspuriger Fahrzeuge gegenüber steht (Quellen: Statistik Austria, BMVIT, VCÖ).

Begegnet wird diesen Entwicklungen kaum oder durch umstrittene Maßnahmen wie "Licht am Tag für alle": Die unter anderem vom Kuratorium für Verkehrssicherheit seit 1980 gepredigte "lebensrettende Sichtbarkeit Einspuriger durch Licht" wurde so (wiederum mit kräftiger Unterstützung durch das KfV) schlagartig aufgehoben.

Auch scharfkantige Leitschienen sorgen speziell an kurvenreichen Strecken regelmäßig für grausame Glieder-Amputationen hineinrutschender Fahrer von einspurigen Fahrzeugen - was in der Todesstatistik nicht (immer) aufscheint. Das Aufbringen von Gummi- oder Styroporkanten ist rein technisch längst gängiger Standard - wird aber bisher bestenfalls von lokalen Privatinitiativen gepflegt.

Bei den Autos wurde schon mehr in Sicherheit investiert: Gurtenpflicht und serienmäßiger Aufprallschutz (Airbags) haben das Ihre zum Vermeiden vieler tödlicher Unfälle beigetragen. Zügellose Telefoniererei am Steuer und immer stärkere Motoren wirken diesen positiven Trends allerdings massiv entgegen.

Entscheidend zur Prävention tödlicher Raserei dürften daher primär die massiv verstärkten Polizeikontrollen beigetragen haben: Planquadrate mit neuen Alkohol-Vortestgeräten, saftige Strafen inklusive Führerscheinentzug und Nachschulungen. Eine Erfahrung, die auch Paris machte: Die massive Verstärkung der Polizeipräsenz bewirkte dort zuletzt gar 33 Prozent weniger Verkehrstote.