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Weniger Verkehrsströme durch Informationsströme?

Von Susanne Kirchner und Claudia Palt

Politik

Die Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sind Hoffnungsträger bei der Reduktion der Verkehrsströme. Das neue Schlagwort heißt Informationsstrom anstelle Verkehrsstrom.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 25 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien werden als ökologische Hoffnungsträger gesehen, da durch sie die derzeitigen Verkehrsströme durch Informationsströme reduziert

werden können. Es gibt mehrere Lebensbereiche, in denen physischer Verkehr potentiell durch Informationsströme ersetzt werden kann. So zum Beispiel im Bereich der Telearbeit, bei Videokonferenzen,

beim Teleeinkauf oder Telebanking und der Teleausbildung ("Telelearning"). Durch Telearbeit wird zum Beispiel eine Reduktion des Berufsverkehrs erwartet. Durch Video- oder Telekonferenzen wird eine

Reduktion des Geschäfts- und Dienstreiseverkehrs erwartet, und durch Teleeinkäufe und -ausbildung wird eine Reduktion des privaten Verkehrs erwartet.

Die Neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bringen einerseits zwar eine enorme Ersparnis, da sie neue Arbeitsformen, wie zum Beispiel die Telearbeit, entstehen lassen und diese weniger

Wegzeiten generieren, anderseits steigt aber auch der Strombedarf. So verbraucht ein durchschnittlicher Personal Computer ungefähr gleich viel Strom wie einige 60-Watt Glühbirnen.

Allerdings herrschen teilweise fälschliche Annahmen über die Rekrutierung dieses zusätzlichen Strombedarfs vor: Von großen Teilen der österreichischen Bevölkerung werden sowohl die Nutzung der

Sonnenenergie als auch die der Windkraft für die Elektrizitätserzeugung als künftige Patentlösungen sowohl aller ökologischen, aber auch der ökonomischen Probleme angesehen. So meinten 42 Prozent der

Österreicher und Österreicherinnen in einer Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft, daß der zusätzliche Strombedarf in Österreich durch Wind- und Sonnenenergie gedeckt werden

könnte, obwohl dieser "grüne Strom" für die öffentliche Elektrizitätsproduktion in den nächsten Jahrzehnten einen eher marginalen Stellenwert haben wird.

Unabhängig davon wird es in den nächsten Jahren · auch ausgelöst durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien · zu Zuwächsen im Stromkonsum · auch der privaten Haushalte · kommen. So

verfügen bereits über 1 Million ÖsterreicherInnen über einen Internet-Zugang (beruflich und privat) und zirka ein Viertel der österreichischen haushalte sind bereits mit Personal Computern

ausgestattet · Tendenz steigend. Trotzdem steht dieser Mehraufwand an Strom für die elektronischen Medien in keiner Relation zu den Einsparungen im Personen- und Güterverkehr, meint Dipl.-Ing. Dr.

Thomas Dobner, Geschäftsführer des Instituts für Energiepolitik und Umweltverbesserung. Die Einsparungen · im Bereich Telebanking · beziehen sich · um nur einen Effekt zu nennen · auf den Wegfall der

Papiererzeugung und -verwendung und den damit verbundenen Transportwegen im Personen- und Güterverkehr.

Mag. Stephan Fickl, Mobilitätsexperte der Energieverwertungsagentur (E. V. A.), sieht dieses Thema unter einer anderen Perspektive: "Die neuen Kommunikationstechnologien führen zu einer wesentlichen

Verbilligung von Dienstleistungen. Aber: Was billiger ist, wird auch mehr genutzt. Deshalb kann man nicht erwarten, daß die Verkehrsprobleme in den Ballungsräumen zur Gänze gelöst werden. Es werden

aber sehr wohl mehr und andersartige Leistungen erbracht werden. Die Kommunikationstechnologien tragen damit zur Steigerung der Lebensqualität bei. Bei der Telearbeit gilt es allerdings zu bedenken,

daß die Menschen zwar nicht zur Arbeit fahren, dafür aber am Abend mehr unterwegs sind. · Denn die Anzahl der Wege ist schon lange Zeit relativ konstant."

Trotzdem wird erwartet, daß die ökologischen Versprechungen der Informationsgesellschaft zumindest teilweise eingelöst werden können, da erwartet wird, daß logistische Systeme wie Straße, Schien,

Schiff und Flugzeug eine bessere Auslastung beim Gütertransport bewirken und damit eine Emissionsminderung. Die Substitution physischen Verkehrs durch Informationsströme im Berufs- und

Geschäftsverkehr ist in geringem Ausmaß bereits jetzt der Fall und es bestehen aus ökologischer Sicht berechtigte Hoffnungen, daß in Zukunft durch Telearbeit und Videokonferenzen die

Verkehrssubstitutionseffekte wachsen.