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Weniger Wasser, viel weniger Geld

Von Helmut Dité

Wirtschaft
Ende Dezember 2010 wurde in Limberg II erstmals im Probebetrieb Strom erzeugt. Ebenso wie das Gaskraftwerk Mellach soll das Pumpspeicherkraftwerk bei Kaprun im Lauf des heurigen Jahres ans Netz gehen. Foto: Verbund/ Neumayr

Sorgen wegen niedriger Preise und Frankreich-Tochter. | Dividende auf 55 Cent gekürzt. | Wien. Das dritte Jahr in Folge bilanziert Österreichs größter Stromerzeuger Verbund sinkende Gewinne: Das operative Ergebnis sank 2010 auf 828,5 Millionen Euro, - es hatte 2008 noch 1,4 Milliarden erreicht.


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Das Konzernergebnis (Ebit) sank nach knapp 645 Millionen Euro in 2009 im vergangenen Jahr um gut 40 Prozent auf etwas mehr als 400 Millionen Euro. Niedrige Großhandels-Strompreise, eine unterdurchschnittliche Wasserführung und vor allem Verluste bei der französischen Tochter Poweo machte Konzernchef Wolfgang Anzengruber am Mittwoch bei der Bilanzpräsentation in Wien dafür verantwortlich.

Beim Umsatz verbuchte Verbund 2010 einen Rückgang um fünf Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, im Durchschnitt sank der Erlös für die Kilowattstund um 15 Prozent.

Den Gewinneinbruch bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Die Dividende soll auf 55 Cent pro Aktie herabgesetzt werden - für 2009 waren noch ein Euro plus 25 Cent Sonderprämie ausgeschüttet worden. Die Ausschüttung halbiert sich dadurch auf knapp 191 Millionen Euro, die Republik Österreich erhält als 51-Prozent-Eignerin gut die Hälfte davon. Die Ausschüttung entspricht 47,7 Prozent des Gewinns - diese Größenordnung soll es auch in den kommenden Jahren geben, so Anzengruber.

Die Börse zeigte sich enttäuscht - vor allem auch vom verhaltenen Ausblick: "Der Gewinn im laufenden Jahr wird auf dem Niveau des Vorjahres liegen", dämpfte Anzengruber die Erwartungen, nur langsam würden sich die Strompreise nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder erholen. Die Verbund-Aktie notierte in Wien zur Schlussglocke um fast sieben Prozent niedriger bei 25,90 Euro.

Keine Preiserhöhung

Verbund will bis 2015 insgesamt 2,4 Milliarden Euro in den Bau neuer Kraftwerke und in Stromleitungen investieren - mit Schwerpunkt in Österreich, wo man in den nächsten fünf bis zehn Jahren den Anteil an den Endkunden von derzeit fünf Prozent (235.000) auf zehn Prozent verdoppeln will. "Dumpingpreise" sollen dabei vermieden werden, eine Erhöhung der Preise soll es heuer aber auch keine geben, versicherte Anzengruber.

Verluste in Frankreich

Während in der Türkei - wo dieser Tage der neue Windpark Canakkale mit 30 Megawatt Leistung in Betrieb genommen wurde - das Verbund-Sabanci-Gemeinschaftsunternehmen Enerjisa wächst und gutes Geld verdient, hatte die französische Tochter Poweo 2010 Abschreibungsbedarf und brachte einen außerordentlichen Verlust von 56 Millionen Euro.

Anzengruber will die Stromproduktion in Frankreich, die auch jetzt schon eine "schwarze Null" einbringt, erhalten - man übernimmt sogar auch die restlichen 60 Prozent an der Poweo Produktionstochter. Die Zukunft des Endkundengeschäfts, das wegen der vom Staat nach wie vor gedeckelten Preise Verluste einfährt, lässt er aber offen. Bis zum Sommer werden neue gesetzliche Bestimmungen erhofft. Wenn sich auch nach der in Frankreich lange blockierten Marktliberalisierung für die Endkunden-Tochter dauerhafte Verluste abzeichnen, ist ein Ausstieg in Überlegung.

In Österreich liegt Verbund nach der Kapitalerhöhung vom Spätherbst 2010 mit den Investitionen voll im Plan. 800 Millionen Euro werden heuer investiert. Fertiggebaut werden heuer das Pumpspeicherkraftwerk Limberg II bei Kaprun und das 800-Megawatt-Gas-Dampf-Kraftwerk in Mellach bei Graz.