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Wenn der Betriebsprüfer klingelt

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Die Abstände | zwischen Kontrollen werden kürzer. | Do´s und Don´ts im Prüfungsfall. | Wien. Fast jeden Unternehmer trifft es zumindest einmal im Leben: die Betriebsprüfung. Das Risiko, dranzukommen, steigt. "Früher hatte man nach einer Betriebsprüfung längere Zeit Ruhe", erzählt Herbert Greinecker, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei PricewaterhouseCoopers.


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Jetzt ist es gar nicht so selten, dass der Betriebsprüfer bereits nach zwei Jahren wieder vor der Tür steht. Immerhin gab es 2006 insgesamt 75.333 Prüfungsfälle und damit einen Anstieg um mehr als zwölf Prozent im Vergleich zu 2005, als die Finanz in rund 67.000 Fällen kontrollierte.

Unternehmen sollten also stets gerüstet sein. Man muss nämlich nicht unbedingt auffällig sein, um zum Prüffall zu werden. Zwar wecken hohe Umsatzsteuer-Nachzahlungen oder etwa starke Schwankungen im Gewinn das Interesse der Behörde, aber auch wenn es keine Auffälligkeiten gibt, kann man durch eine Zufallsauswahl oder schlicht und einfach aufgrund regelmäßiger Prüfabstände ins Visier der Finanz geraten.

Wenn eine Prüfung ins Haus steht, ist die gründliche Vorbereitung das A und O. Dafür hat man laut Greinecker üblicherweise ein bis zwei Wochen Zeit. Denn der Prüfer kündigt sich zuerst einmal telefonisch an. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nichts verloren. Bis zur Unterzeichnung des Prüfungsauftrags hat man noch die Chance, durch eine Selbstanzeige mögliche Fehler zu melden und so das Schlimmste zu vermeiden. Wer sich nämlich selbst anzeigt, bleibt straffrei. Gleichzeitig mit der Selbstanzeige muss allerdings auch die Steuer nachbezahlt werden.

Schlampereien mit unangenehmen Folgen

In der Vorbereitungszeit sollte man sich alle relevanten Unterlagen zusammensuchen. Je ordnungsgemäßer und korrekter die Buchführung und die Ablage in einem Betrieb sind, desto leichter wird man sich dabei tun. Greinecker rät deshalb zu einer umfassenden Dokumentation insbesondere von außergewöhnlichen Geschäftsfällen. Gerade in Zeiten hoher Fluktuation würden Informationen schnell verloren gehen.

Unternehmer sind verpflichtet, ihre Daten unformatiert auf einem Datenträger an die Finanz zu übergeben. Mit einer speziellen Software können die Behörden Risikofelder schnell aufdecken. Diese Software steht allerdings nicht nur der Finanzverwaltung zur Verfügung, sodass auch der Unternehmer in der Regel mithilfe eines Steuerberaters eine Außenprüfung simulieren kann. Greinecker empfiehlt solche Simulationen sehr, damit man einen Überblick über die Auffälligkeiten im eigenen Unternehmen bekommt. Wer die eigenen Risikobereiche kennt, kann diese besser argumentieren beziehungsweise für die Zukunft verbessern.

Was man im Vorfeld einer Betriebsprüfung ja nicht vergessen sollte, ist das Mitarbeiter-Briefing. Am besten, meint Greinecker, man stellt dem Betriebsprüfer einen Ansprechpartner zur Verfügung, der auch bei der Befragung der Geschäftsführung oder der Mitarbeiter anwesend sein sollte, um den Überblick zu bewahren und mögliche Missverständnisse richtigzustellen.

Bei der Konzernprüfung bildet die Prüfung von Verrechnungspreisen mittlerweile einen wesentlichen Prüfungsschwerpunkt. So nennt man jene Preise, die die einzelnen Konzerngesellschaften für den Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb des Konzerns festsetzen.

Damit die Behörde die Verrechnungspreise anerkennt, müssen sie jenen Preisen entsprechen, die man auch mit fremden Vertragspartnern ausgehandelt hätte. Damit soll verhindert werden, dass Gewinne in Länder mit niedrigen Steuern verschoben werden.

Gewinnverschiebungen im Visier der Finanz

Die Finanz geht dabei davon aus, dass die Gesellschaft, die die meisten Risiken trägt, auch die größte Chance haben sollte, Gewinne zu lukrieren. Wenn eine Konzerngesellschaft in einem Niedrigsteuerland hohe Gewinne verzeichnet, obwohl sie nur ausführend tätig ist, während eine andere Gesellschaft, die im Konzern das Sagen und auch das Risiko hat, leer ausgeht, weil sie in einem Land mit hohen Steuern sitzt, wird das den Prüfer stutzig machen.