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Wenn der Fußball selbst kontrolliert

Von Christoph Rella

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Michael Cepic ist gerade auf den Fußball-Weltverband Fifa nicht gut zu sprechen. Nicht, weil er etwas gegen Fußball oder die am 14. Juni in Russland beginnende Weltmeisterschaft hätte. Den Chef der österreichischen Anti-Doping- Agentur Nada stört etwas ganz anderes: nämlich die Tatsache, dass die gesamte Organisation des Anti-Doping-Kampfes bei der WM in einer Hand liege, der Fifa. "Das ist eine absolut inakzeptable Situation, weil sich immer mehr zeigt, dass diese wirtschaftlichen Interessen, gegen die ich nichts habe, jenen des sauberen Sports entgegenstehen", sagte Cepic am Freitag und äußerte den Verdacht, dass es, nachdem sich der Fußball "nicht selbst schädigen werde oder kann", möglicherweise zu Manipulationen kommen könnte.

Und der Mann hat nicht unrecht: Tatsächlich erstellt die Fifa bei der WM in Russland nicht nur den Doping-Kontrollplan, entscheidet, was und wann analysiert wird, sondern betreibt - falls es einen Anti-Doping-Verstoß gibt - auch noch das Results Management, das Sanktionierungen beinhaltet. Da hilft es auch nichts, dass die Proben, nachdem die russische Anti-Doping-Agentur Rusada wegen ihrer Verstrickung in die Staatsdoping-Affäre nach wie vor suspendiert ist, zur Analyse ins Ausland geschickt werden. An wen die Proben letztlich gehen, ist ja unbekannt. In Österreichs Dopinglabor in Seibersdorf ist laut Cepic jedenfalls noch kein Kontrollauftrag eingegangen. Das alles ist, angesichts der Tatsache, dass Doping im Fußball - wenn auch weniger als im Radsport oder in der Leichtathletik - eine Rolle spielt, doch betrüblich. Zu ändern ist es jetzt aber auch nicht mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fifa als einzige Dopingjägerin

spätestens bei der WM in Katar 2022 Geschichte sein wird.