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Wenn der Roboter dreimal klingelt

Von Andrea Möchel

Wirtschaft
Starship-Transportroboter haben eine Reichweite von fünf Kilometern.
© Starship Technologies

Fahrende Zustellroboter gehören schon bald zum Logistik-Alltag.


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Dortmund/Wien. Jedes Jahr zu Weihnachten geht die Post ab. Rund 80 Millionen Pakete hat die österreichische Post 2015 zugestellt, zehn Millionen davon rund um das Weihnachtsfest. Doch auch fernab der Feiertage nimmt das Paketaufkommen dank des Onlinehandels von Jahr zu Jahr zu. Stellt sich die Frage, wie Logistiker diese Herausforderung in Zukunft meistern werden.

In Hamburg testet Hermes Logistik seit Sommer 2016 die Zustellung durch drei Transport-Roboter. Zustellroboter sind generell klein, fassen nur wenige Sendungen und fahren batteriegetrieben. Bei Hermes kommen Roboter der Marke "Starship Technologies" zum Einsatz. Ein Starship-Roboter wiegt etwa 20 Kilogramm und hat eine Reichweite von maximal fünf Kilometern. Und so funktioniert es: Zunächst setzt ein Zusteller das Paket an einem Standort ab, der über Transportroboter verfügt und der nah genug am eigentlichen Ziel liegt. Dann wird der Empfänger informiert, dass seine Sendung zustellbereit ist.

Sobald der Empfänger sein Okay gibt, setzt sich der Roboter in Gang und kündigt sich per SMS beim Empfänger an. Die Fahrzeuge suchen sich dabei autonom den Weg zum Empfänger, wobei sie bevorzugt auf Gehsteigen fahren und selbsttätig Hindernissen ausweichen. Sollte es Probleme geben, wird die Steuerung des Roboters von einem Operator übernommen. Am Zielort wird die Ware dann durch einen dem Empfänger bekannten Code freigegeben.

"Die Paketzustellung in der Stadt wird sich revolutionieren, dabei werden autonome Zustellroboter eine entscheidende Rolle spielen", kündigt Boris Zimmermann, Professor für Logistik an der Hochschule Fulda, in der Zukunftsstudie "Die letzte Meile" an. "Drohnen sehe ich hingegen weniger im öffentlichen Raum, sondern eher in Logistikhallen im Einsatz." Tatsächlich dürften Transportdrohnen aufgrund von Sicherheitsrisiken kaum über ein Nischendasein hinauskommen, meinen auch die Studienautoren des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik in Dortmund. Diese haben in Zusammenarbeit mit der ZF Friedrichshafen AG, einem der weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik untersucht, wie die Zustellungsbranche 2030 aussehen könnte.

Schnell und leise

"Vor allem in den großen Städten wird das Transportaufkommen überdurchschnittlich zunehmen", lautet eine zentrale Erkenntnis der Fraunhofer-Experten. "Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die Convenience- und Frischelogistik, aber auch die sogenannte Same-day-delivery." Zwar steckt der Onlinehandel im Lebensmittelsektor noch in den Kinderschuhen, doch die Lieferung von Frischware an die Haustür wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.

Und nicht nur bei Lebensmitteln fordern die Kunden eine immer schnellere Zustellung. "Same-day-delivery" ist Standard, ,Same-hour-delivery‘ der Trend", stellen die Experten fest. "Vor allem in dichtbesiedelten Zentren muss sich die ‚letzte Meile‘ daher verkürzen und intelligenter werden."

Dazu braucht es eine effiziente Logistik durch digitale Vernetzung. Dank intelligenter Algorithmen soll sich die Ware im Idealfall bereits während der Bestellung in unmittelbarer Nähe des Kunden befinden. Auf dem Land werden zeitkritische Lieferungen hingegen noch länger ein Problem bleiben. "Die Transportlogistik steht generell im Spannungsfeld zwischen Kundenanforderungen, neuen Technologien sowie räumlichen und politischen Bedingungen", gibt Uwe Clausen vom Fraunhofer-Institut zu bedenken.

"Ursache für wachsenden Kosten- und Innovationsdruck sind dabei nicht nur steigende Ansprüche der Konsumenten, sondern auch die Anforderungen eines leisen und umweltschonenden Transports."

Emissions- und lärmfrei

Fakt ist, dass erst durch elektrische Antriebe die Nutzung der Nachtstunden für saubere und leise Transporte auf der letzten Meile möglich wird. Die Zukunft liege daher in der emissions- und lärmfreien innerstädtischen Belieferung. Außerhalb von Metropolen bleibt dagegen zumindest vorerst der Verbrennungsmotor im Einsatz. Hier könnten aber autonome Zustellfahrzeuge den hohen Kostendruck mindern, der durch den zunehmenden Fahrermangel auf den Logistikdienstleistern lastet.

Und dann wäre da noch die Zukunftstechnologie 3D-Druck. Bei diesem Verfahren werden dreidimensionale Bauteile aus Kunststoff, Keramik oder Metall auf Basis einer digitalen Bauanleitung computergesteuert hergestellt.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass im Laufe der 2020er Jahre eine Vielzahl von Konsumgütern auf diese Weise hergestellt werden können, sind die Experten überzeugt. Die Produktion rückt damit immer näher zum Konsumenten, und so könnten 3D-Printshops viele Transporte überflüssig machen.