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Wenn einer eine Arbeit tut, kann er nicht viel studieren

Von Matthias Nagl

Wissen

e-Learning und Veranstaltungen am Abend gefragt. | Jeder zehnte Studierende arbeitet Vollzeit. | Wien. Immer mehr Studierende arbeiten neben dem Studium. Der Bericht zur sozialen Lage der Studierenden aus dem Jahr 2002 zeigt für die neunziger Jahre eine Verschiebung von circa 15 Prozent der nicht-erwerbstätigen zu gelegentlich erwerbstätigen Studierenden. Die Gruppe der regelmäßig Beschäftigten blieb konstant zwischen 23 und 25 Prozent. Jeder zehnte Student ist laut dem Bericht vollzeitbeschäftigt, arbeitet also mindestens 35 Stunden in der Woche.


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Die Berufstätigkeit verlängert in der Regel die Studiendauer, auch wenn keine konkreten Zahlen dazu vorliegen. "Die Zeiteinteilung ist sicher das Schwierigste, da ist auch Unterstützung vom Arbeitgeber sehr wichtig", meint Paul Kimbacher, Volkswirtschaftsstudent an der Universität Wien und in Vollzeit bei einer Bank beschäftigt.

Abendveranstaltungen

Die Universitäten kommen dieser Gruppe jedoch nur sehr eingeschränkt entgegen. Lehrveranstaltungen am Abend sind eher die Ausnahme. An der Universität Wien gibt es zwar Veranstaltungen am Abend, diese sind aber nicht speziell den Bedürfnissen Berufstätiger angepasst. Außerdem heißt es bei der ÖH an der Uni Wien, dass Abendveranstaltungen nur sehr spärlich besucht seien.

An der WU wurden in den vergangenen Jahren Abendschienen, also Module in denen der gesamte erste Studienabschnitt nebenberuflich absolviert werden kann, angeboten. Für das kommende Wintersemester ist eine solche jedoch nicht vorgesehen. "Das hängt mit der Umstellung des Studiensystems auf Bachelorstudien zusammen und wäre administrativ zu aufwendig. Studierende können sich aber selbst individuelle Abend- oder Morgenschienen zusammenstellen", sagt Angelika Varga, Pressesprecherin der WU.

Fachhochschulen bieten Berufstätigen mit berufsbegleitenden Studiengängen wesentlich mehr Möglichkeiten. Hier können bestimmte Studiengänge nebenberuflich absolviert werden. Das schlägt sich auch in der Statistik nieder. In berufsbegleitenden Studiengängen arbeiten 76 Prozent der Studierenden Vollzeit neben dem Studium.

Vermehrtes E-Learning

An der WU bietet die E-Learning-Plattform "Learn@WU" eine andere Möglichkeit für berufstätige Studierende. Mit dieser kann der erste Studienabschnitt ganz von zuhause oder dem Arbeitsplatz aus absolviert werden. Lediglich für die Prüfungen muss man sich noch auf die Uni bemühen. Im zweiten Studienabschnitt können ebenfalls einige Lehrveranstaltungen, die über das Online-Portal absolviert werden. Auch an der Universität Wien gibt es eine Onlineplattform namens WebCT Vista. Diese wird ständig ausgebaut. Im letzten Sommersemester wurden sieben Prozent der Lehrveranstaltungen über diese Plattform angeboten. Komplette Lehrveranstaltungen können nur vereinzelt absolviert werden. "Das ist sicher praktisch. Besonders für Leute, die nicht, wie ich, fünf Minuten zu Fuß von der Uni arbeiten", sagt Paul. Speziell für Berufstätige ist aber auch dieses Angebot nicht.