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Wenn Rot grün wird

Von Bernadette Krassay

Politik
Das rote "Klima-Manifest" mit Punkten, für die eigentlich auch der Koalitionspartner einsteht.
© spw

Wien-Wahl: SPÖ kündigt an, 1,2 Milliarden Euro bis 2030 in grüne Energie zu investieren.


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Sieben Handlungsfelder mit fünfzig konkreten Maßnahmen: Das umfasst das "Klima-Manifest" der Wiener SPÖ, das mit Experten, Vertretern des Klimarates und von NGOS geplant wurde. Gestern wurde es von Bürgermeister Michael Ludwig, Stadträtin Ulli Sima und SPÖ-Klubchef Josef Taucher vorgestellt. Ziel sei es vor allem, erneuerbare Energie massiv auszubauen und den Pendlerverkehr in die Stadt zu senken. Auch der Ausbau von Straßenbahnlinien über die Stadtgrenze ist Thema.

Punkte wie "Zero-Waste" durch Abfallvermeidung und Verwertung der Verbrennungsrückstände, 16 Hektar neue Grünflächen in den nächsten Jahren und ein Ausbau der Cooling-Maßnahmen stehen beim roten "Manifest" auf der Agenda. Dafür sollen unter anderem 1,2 Milliarden Euro von Wien Energie investiert werden, um die CO2-Emissionen in Wien weiter zu reduzieren. Außerdem soll die größte Wärmepumpe Europas gebaut werden, die 160.000 Haushalte versorgen könne - das entspreche der Größe Favoritens.

Lebensmittelabfälle halbieren

Ansetzen wolle man auch in puncto Lebensmittelabfall. "Wien will bis 2050 die Lebensmittelabfälle halbieren. Man soll aufessen, anstatt Energie für die Mülltonne aufzubringen", sagt Taucher. Die Lebensmittelproduktion, -transport und -lagerung verursachen alleine bis zu einem Drittel des CO2-Ausstoßes. Großen Aufholbedarf sehe man hier bei den Wiener Großküchen, wo aktuell bis zu 13.000 Tonnen an Lebensmitteln pro Jahr in der Mülltonne landen. Als weiteres Ziel will die SPÖ bis 2050 bei der Abfallverwertung zu "Zero Waste" kommen. Auch die unvermeidbaren Abfälle sollen verwertet werden. Mit dem aus Küchenabfällen produzierten Biogas könne man rund 900 Haushalte versorgen.

Ein weiterer großer Bereich seien die Pendler, die zu zwei Drittel mit dem Auto in die Stadt kommen. Um dem entgegenzuwirken, schlägt die Stadt nun grenzüberschreitende Straßenbahnen nach Niederösterreich vor - etwa nach Schwechat oder Großenzersdorf. Bis 2030 soll die Zahl der Einpendler damit halbiert werden. Zwei Drittel der Wiener verzichten immerhin schon auf das Auto, dennoch möchte man durch ein ganzheitliches Mobilitätsangebot die Autos künftig absolut überflüssig machen.

Aber nicht nur der Öffi-Ausbau soll zu diesem Ziel beitragen, auch können über die Wien-mobil-App Fahrräder, Scooter oder E-Autos gebucht werden. Diese stehen dann bei sogenannten "mobility-points", die über die Stadt verteilt verfügbar sein werden, bereit. Die "letzte Meile" auf dem Weg nach Haus sei es nämlich, die viele Menschen dann doch auf das Auto zugreifen lässt.

"Raus aus dem Asphalt"

Klubchef Josef Taucher gab den Appell: "Raus aus dem Asphalt". Die Stadt Wien habe zwar bereits einen Grünraumanteil von 53 Prozent - 8000 Hektar Wald, bald 1000 Parkanlagen -, diesen wolle man jedoch künftig noch ausbauen. In den nächsten Jahren sollen zusätzliche 16 Hektar Parkflächen kommen. Weiters werden im Rahmen der Aktion "Wald der jungen WienerInnen" jährlich 10.000 neue Bäume gepflanzt. Gerade in den heißen Monaten des Jahres sind Bäume zur Vermeidung von Hitzeinseln wichtig. Die bereits im Vorjahr praktizierten Sommeraktionen mit mobilen Trinkbrunnen, Nebelduschen, Coolspots und Cooling-Parks sollen heuer noch stärker forciert werden. Fassadenbegrünungen sollen glühend heiße Mauern um bis zu 15 Grad abkühlen und somit als natürliche Klimaanlage wirken. Wo keine Bäume entlang von Straßen gepflanzt werden können, soll Asphalt aufgebrochen und bepflanzt werden. Anrainer und Geschäftsbetreiber sollen die Grünfleckerl in Folge pflegen.

Dieses umfassende Maßnahmenpaket wird Wien jedoch nicht alleine schaffen: "Wir erwarten uns vom Bund Unterstützung bei zentralen Klimaschutz-Maßnahmen, damit wir unser Ziel einer CO2-neutralen Stadt rasch umsetzen können", appelliert die Stadträtin. Obgleich Sima einsieht, dass viele Maßnahmen noch sehr vage klingen, gebe das Regierungsprogramm dennoch Hoffnung: "Österreich ist europaweit Schlusslicht in Sachen Klimaschutz und es kann nur besser werden." Die tatsächlichen Gesamtkosten für das Sieben-Punkte-Programm könne man jedoch derzeit noch nicht abschätzen, denn: "Es kommen noch mehr Maßnahmen dazu und es ist nicht so, wenn wir das jetzt umgesetzt haben, dass wir dann fertig sind", so Ulli Sima. Die Umsetzung des Programms werde heuer noch beginnen und ebenso werde man heuer bereits einzelne Projekte umsetzen.

Rot-grüne Dribbelei

Auf die Frage, ob das nun eine Kampfansage an die Grünen wäre, konterte Sima: "Ich glaube nicht, dass es beim Klimaschutz darum geht, jemanden zu überdribbeln." Und Taucher ergänzt: "Bei der Klimapolitik geht es um eine breite Allianz, damit wir alle eine gemeinsame Zukunft auf diesem Planeten haben."

Dass Rot und Grün gerade im Wahljahr versuchen, das Thema Klimaschutz für sich zu beanspruchen, kann dennoch schwer geleugnet werden. Es ist nicht lange her, da hat Wiens Vizebürgermeisterin und Grünen-Chefin Birgit Hebein auf Klimaschutzmaßnahmen hingewiesen, die sie umgesetzt habe: von den "Coolen Straßen" über das weitgehende Aus für fossile Heizungen im Neubau bis hin zum neu geschaffenen Klimarat.