Wenn Trittbrettfahrer auf der Inflationswelle surfen

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Viele Konsumenten müssen beim Einkaufen auf jeden Cent achten.
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Die Preissprünge der jüngsten Zeit sind nicht immer eindeutig nachvollziehbar.


Für die einen ärgerlich, aber leicht zu stemmen, für die anderen existenzbedrohend: Die Teuerungen bei beinahe allen Waren und Dienstleistungen belasten vor allem die Haushaltsbudgets der unteren Einkommensschichten. Dass sich die Inflationsrate im Februar von 11,2 auf 10,9 Prozent verringert hat, ist nur ein schwacher Trost.

Zu Beginn der Teuerungskrise seien hohe ausländische Energiepreise der Haupttreiber für Preissteigerungen gewesen, die höheren Kosten an die Konsumenten weitergegeben worden, schreibt Oliver Picek, Chefökonom des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts, in einer Aussendung. "Viele Unternehmen haben jedoch die Gunst der Stunde genutzt, um ihre Preise stärker als die Kosten zu erhöhen", kritisiert er. Damit würden sie zwar hohe Gewinne machen, jedoch auch die Inflation stärker hinauftreiben als nötig."

In Österreich würden zudem Profite die "hausgemachte" Teuerung stärker antreiben als in anderen Ländern: "Betrug diese vor etwas mehr als einem Jahr noch 1,9 Prozent, lag sie im letzten Viertel des Jahres 2022 bei 6,5 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat sich die Teuerung der heimischen Produktion damit mehr als verdreifacht", so der Ökonom.

Wo liegt die Marktmacht?

Aber auch zwischen Produzenten und Großabnehmern herrscht wegen der Preisgestaltung oft dicke Luft. "Es gibt viele Trittbrettfahrer, die auf der Preiswelle surfen und einfach ihre Ergebnisse verbessern wollen", beschwerte sich unlängst Lionel Souque, Chef des Handelsriesen Rewe, über die Lieferanten. In Österreich befragt die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) seit dieser Woche mehr als 1.500 Lieferanten des Lebensmittelhandels. Schwerpunkt sind die Geschäftspraktiken. Agrarminister Norbert Totschnig ortet Handlungsbedarf, da in der vor einem Jahr eingerichteten Ombudsstelle "Fairnessbüro" 21 substanzielle Beschwerden von Landwirten eingegangen sind. Die BWB werde sich aber auch ansehen, ob die Preissteigerungen im Supermarkt, die auch die Konsumenten feststellen, eher in Richtung Handel oder eher Richtung Produktion fließen, sagt BWB-Chefin Natalie Harsdorf-Borsch. Sie will wissen: "Wo liegt die Marktmacht in diesem Verhältnis?"

Kartell am Strommarkt?

Manchmal sind es gewisse festgeschriebene Marktmechanismen, die zu höheren Gewinnen führen. Ein gutes Beispiel dafür ist Energie. Zuletzt hat der Unternehmerverband "Senat der Wirtschaft" von der Bundesregierung gefordert, eine kartellrechtliche Überprüfung des heimischen Strommarktes in die Wege zu leiten. Die Strompreisbildung müsse auf Marktmachtmissbrauch untersucht werden, fordert Hans Harrer, Vorsitzender des Senats. Die Unternehmerorganisation unterstützt das gerichtliche Vorgehen der Rechtsanwaltskanzlei Zanger gegen Stromversorger wegen potenzieller Kartellbildung und Marktmachtmissbrauch und empfiehlt Unternehmen "die offensichtlich überhöhten Energiepreise" zurückzufordern.

Zuletzt hat das Handelsgericht Wien die Preiserhöhung des Verbunds vom Mai 2022 gekippt. Der Stromkonzern, der Berufung einlegte, hatte sich dabei auf eine Klausel berufen, die auf den vom Börsenkurs abhängigen Österreichischen Strompreisindex (ÖSPI) Bezug nahm.