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Wenn Wien Dienststellen clustert

Von Christian Rösner

Politik
Aus alt macht neu: Bis 2017 soll aus der Versuchs- und Forschungsanstalt der Stadt Wien im 11. Bezirk mit der "Test Base" eine modern und kundenfreundlich ausgestattete Prüf-, Forschungs- und Service-Einrichtung geschaffen werden.
© Rösner und Zoom visual Project GmbH

Die Magistratsabteilungen 6, 38, 39 und 59 werden in Simmering zur "Test Base" zusammengefasst.


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Wien. Wien bekommt eine "Test Base" in Simmering: Dort soll künftig die Qualität der Wiener Lebensmittel geprüft, sollen Energieausweise erstellt, Schall- und Lichtmessungen durchgeführt und soll an neuen Baustoffen geforscht werden. "Die Wiener können aber auch dorthin fahren, wenn sie wissen wollen, was in ihrer Wurst drinnen ist", erklärten Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei der Grundsteinlegung am Dienstag. "Auch seine Schwammerln kann man dort testen lassen", meinte Häupl in Anspielung auf die momentane Wettersituation. Außerdem sollen modernste Labors sowie eine der besten Großbauteil-Brandversuchshallen Europas auf dem Areal gebaut werden, wurde betont.

Konkret bedeutet das: Die Magistratsabteilungen 6 (Rechnungs- und Abgabewesen, 38 (Lebensmitteluntersuchungsanstalt), 39 (Prüf-, Überwachungs-, und Zertifizierungsstelle und 59 (Marktamt) werden im neuen Fachjargon "geclustert", sprich an einem Standort zusammengefasst. Die Arbeitsplätze werden von derzeit 80 auf 300 anwachsen und zusätzliche Lehrlingsausbildungsstellen geschaffen, versprechen die Politiker.

Das geschieht natürlich nicht ohne bauliche Maßnahmen: Die bestehenden Gebäude in der Rinnböckstraße 13-15 werden schrittweise saniert und aufgestockt und 18.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche neu gebaut. Die Fertigstellung ist in zweieinhalb Jahren geplant, die Kosten belaufen sich laut Häupl und Ludwig auf 57,9 Millionen Euro.

Bisherige Standorte verkauft

Die derzeitigen Standorte werden bis dahin aufgelöst sein. So ist das Haus, in dem sich derzeit noch die Labors der MA 39 befinden bereits verkauft worden: Die Feldgasse 9 im 8. Bezirk wird demnach zu einem privaten Mietshaus umgewandelt. Auch das Haus in der Henneberggasse 3 im 3. Bezirk, in dem noch die MA 38 logiert, soll dem Vernehmen nach veräußert werden. Der Standort von MA 6 und MA 59 - Am Modenapark 1-2, ebenfalls im 3. Bezirk - ist laut einer Ludwig-Sprecherin nur angemietet.

Als ein "Verscherbeln" von wertvollen Gebäuden in Innenstadtnähe will man das aber auf keinen Fall verstanden wissen, mache es doch Sinn, themenspezifische Ressourcen an einem Ort zu bündeln und Synergieeffekte zu nutzen, wurde betont.

Bauträger ist im Übrigen die Stadt selbst: Für die Architektur- und Generalplanerleistungen wurde von der MA 19 (Architektur- und Stadtgestaltung) die MA 34 (Bau- und Gebäudemanagement) ausgelobt. In private Hände - etwa in Form eines PPP-Modells - wolle Häupl das Projekt auf keinen Fall legen. "Die Grundelemente der Daseinsvorsorge sollen in der öffentlichen Verantwortung bleiben". Produkt- und Qualitätssicherung sowie Forschung würden auf alle Fälle dazugehören, betonte er einmal mehr. Schließlich solle Wien nicht nur Stadt der Musik und der Kultur sein, sondern auch Stadt der Wissenschaft.

Zur Zeit wird das schon etwas in die Jahre gekommene Gebäude in der Rinnböckstraße nur von der MA 39 genutzt. Mit den "Neuzugängen" erhofft sich die Simmeringer Bezirksvorsteherin Renate Angerer neue Impulse für ihrem Bezirk: "Simmering wird durch Unternehmensansiedlungen, den Ausbau der Infrastruktur und neue Wohnprojekte Zug um Zug attraktiver", erklärte sie. Auch das neue Technologiezentrum mit seinen künftig 300 Mitarbeitern trage maßgeblich dazu bei. Städtebaulich erfolge dadurch außerdem ein wichtiger Brückenschlag zwischen Mediacenter St. Marx, dem T-Mobile-Komplex und der Rinnböckstraße, so Angerer.

Im Übrigen verspricht die Stadt eine "Anrainer-freundliche" Bauweise: Um Bodenaushubs- und Abbrucharbeiten möglichst kurz zu halten, habe bereits eine vorbeugende Bestandsaufnahme des baulichen Zustandes der angrenzenden Bebauung vor Beginn der Bauarbeiten stattgefunden. Außerdem seien die Bauphasen sehr präzise geplant worden. Weiters umfasse das Maßnahmenpaket die Verringerung des Baustellenverkehrs durch eine Baustellenzufahrt, Reduktion der Staubentwicklung durch Bewässerung sowie entsprechende Information der Anrainer.

Es sind auch zahlreiche ökologische Maßnahmen vorgesehen, wurde versichert: So sei etwa ein umweltfreundlicher Fuhrpark ausgeschrieben worden. Die Bestandsgebäude der MA 39 würden thermisch saniert und der Einsatz von Alternativenergien mittels Photovoltaik gewährleistet sein. Auch an Wärmerückgewinnung aus dem Betrieb sei gedacht worden.

Neuer Name für Marktamt

Und doch gibt es noch einen Punkt, der zumindest dem Bürgermeister ein Dorn im Auge ist - nämlich, dass das Marktamt immer noch Marktamt heißt. "Das ist antiquiert, da muss man sich etwas Neues überlegen", erklärte er. Immerhin sei aus dem Stadtgartenamt auch "Unsere Gärten" geworden. Und aus der Städtischen Wohnhausverwaltung "Wiener Wohnen". Präferenzen habe keine, "aber Unsere Märkte, Marktservice oder Wiener Märkte klingen auf alle Fälle besser als Marktamt."