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Da musste selbst der wohl renommierteste Analytiker und Theoretiker des Sprungsports um Worte ringen. "Wieso geht das plötzlich in so einer Dimension?", fragte Toni Innauer angesichts der Leistungsexplosion von Thomas Diethart bei der Vierschanzentournee. Um dann eine etwas unbefriedigende Antwort zu geben. "Der ist auf einer Welle." Der selige Rudi Nierlich meinte einst genau dasselbe - ein geflügeltes Wort, das seither in keinem Sportlerrepertoire als Erklärung für unerklärlichen Siegesserien mehr fehlen darf: "Wenns laft, dann laft’s!" Wer allerdings bei Diethart genau hinsieht, der entdeckt hinter diesen Plattitüden sehr wohl Erklärungsmuster für den kometenhaften Aufstieg: Er ist nämlich das unfreiwillige Produkt des heimischen Sportsystems - einer, der es trotzdem noch schafft, nachdem viele nicht mehr an ihn geglaubt haben. Anders als Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer musste er sich jahrelang in den Niederungen zweit- und drittklassiger Bewerbe abmühen - ohne groß erfolgreich zu sein. Er flog schon aus allen Kadern, schaffte in Stams - wo er als Flachländer aus dem Tullnerfeld gewiss auch keinen leichten Stand hatte - keinen Abschluss, behielt aber gemeinsam mit seinem Vater verbissen das Ziel im Auge, doch noch ein Weltklasse-Springer zu werden. Daher erinnert sein Werdegang ein wenig an Hermann Maier oder Thomas Muster, die verkannt wurden oder ihr mangelndes Genie mit harter Anstrengung wettmachen mussten - und genau deshalb so große Sportler wurden, weil sie immer hungrig nach Siegen und Anerkennung blieben. Diethart, der einst sogar aus Geldnot im Schanzenkammerl übernachten musste, hat damit das Zeug, ein Großer zu werden.

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