)
Vielen Lateinamerikanern ebnet die Armee den Weg zur Staatsbürgerschaft. | Madrid. Spaniens Armee zahlt für seine Auslandseinsätze einen hohen Preis. 129 Soldaten sind bereits gestorben, allein in Afghanistan sind es 83. Erst am Montag fielen dort wieder zwei Soldaten der spanischen Isaf-Streitkräfte einem Anschlag zum Opfer. Nur einer von ihnen war Spanier. Der andere stammte aus Guayaquil in Ekuador. Ende Juni waren sechs Soldaten bei einem Autobombenanschlag auf die UNO-Blauhelme im Libanon getötet worden. Nur drei waren Spanier, die anderen drei waren Kolumbianer.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 18 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Für viele Lateinamerikaner ist der Dienst in der Armee der einfachste Weg, um die spanische Staatsbürgerschaft zu bekommen. Vor allem Kolumbianer und Ekuadorianer, aber auch Argentinier, Uruguayer und Peruaner flüchten aus wirtschaftlicher Not nach Europa. Sie kommen gern nach Spanien, da sie hier keine Sprachschwierigkeiten haben. Auch ist es für Ibero-Amerikaner verhältnismäßig einfach, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Die schließt nicht immer eine Arbeitserlaubnis ein, sodass sie sich einen illegalen Saisonjob in der Landwirtschaft suchen. Die Tagelöhner dort werden von ihrem Chef nur selten nach Papieren gefragt.
Sie führen ein karges Leben und sind so in der Lage, bis zu tausend Euro monatlich an die Familie zuhause zu überweisen. An einen Nachzug von Frau und Kindern ist nicht zu denken, solange man nicht die Staatsangehörigkeit erhalten hat.
Die bekommen ausländische Soldaten, die den Antrag bei Dienstantritt stellen, in der Regel nach zwei Jahren. Ibero-Amerikaner, dasselbe gilt für Personen aus der ehemaligen spanischen Kolonie Äquatorial-Guinea, können sich zunächst für maximal drei Jahre verpflichten. Sind sie Spanier geworden, so steht ihnen eine Dauerkarriere beim Militär offen wie anderen Spaniern auch.
Risiko gefragt
Die Zahl der Ausländer in der spanischen Armee ist derzeit auf maximal neun Prozent begrenzt. Von den 78.000 Mannschaftsdienstgraden sind zur Zeit 4600 Lateinamerikaner. Zu den weiteren 50.000 Stellen der Unteroffiziere und Offiziere haben Ausländer keinen Zugang. Ausnahme ist die Sanitätstruppe. In diesem Jahr hat sich nicht ein spanischer Arzt für eine Militärkarriere beworben. Jetzt werden Ausländer als Stabsärzte gesucht.
Obwohl nur rund ein Zehntel der Truppen Ausländer sind, ist deren Anteil in den besonders gefährdeten Truppenteilen hoch: bis zu 30 Prozent. Es sind vor allem Fallschirmeinheiten wie jetzt in Afghanistan und die legendäre spanische Legion, die immer wieder zu internationalen Einsätzen befohlen werden. Die Legion ist übrigens eine reguläre Einheit des spanischen Heeres, nicht zu vergleichen mit der französischen Fremdenlegion.
Die Möglichkeit für Ausländer lateinamerikanischer Herkunft, sich in den "Fuerzas Armadas" zu verpflichten, wurde vor fünf Jahren geschaffen. Vorausgegangen war die Abschaffung der Wehrpflicht. Damit wurde es schwierig, genügend einheimische Freiwillige für den Dienst an der Waffe zu finden. Die Besoldung war mit damals 100.000 Peseten vergleichsweise gering, für Ekuadorianer und Kolumbianer aber ein fürstliches Einkommen.
Schon 2001 waren die Kasernen für die Nachkommen ausgewanderter Spanier geöffnet worden: Im Juni rückten die ersten jungen Argentinier spanischer Herkunft ein. Ab Herbst 2002 fiel der Herkunftsnachweis weg, seit damals können sich alle Bürger des spanischsprachigen Amerika bewerben.
)
)
)
)