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Regierungen in Osteuropa haben Emigration lange Zeit nicht problematisiert. | Ländern könnten Fachkräfte ausgehen. | Wien. Der Mexikoplatz im 2. Bezirk, vor 30 Jahren: Das war nicht zuletzt ein Ort für Händler. Viele Polen kamen hierher, um Wolle, Batterien, billige Digitaluhren oder Kaffee zu erstehen und sie in ihrer Heimat wieder zu verkaufen. | Analyse - Österreich braucht mehr Offenheit | Deutschland für Jobsuchende attraktiver
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All das gibt es aber mittlerweile schon lange auch in den osteuropäischen Ländern zu kaufen. Und die Verdienstmöglichkeiten haben sich ebenso verändert - ob im Ausland oder im jeweiligen Staat selbst. Die letzten Hürden für das grenzüberschreitende Arbeiten der osteuropäischen EU-Bürger fallen am Sonntag.
Was die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für die neueren EU-Staaten bedeutet, referierten Vertreter von Arbeitsmarktverwaltungen bei einem Treffen auf einem Schiff - just gegenüber vom Mexikoplatz. Die Sorgen vieler Österreicher über einen Andrang neuer Arbeitskräfte konnten sie dabei kaum verstehen: Immerhin seien die meisten, die im Ausland arbeiten wollten, bereits dort.
Für Stefan Duhan von der tschechischen Arbeitsmarktverwaltung ist die Öffnung am 1. Mai mehr "ein psychologisches Moment": Nach der Beseitigung der "letzten Mini-Barriere" könnten sich seine Landsleute als EU-Bürger mit allen Rechten fühlen.
Sein slowakischer Kollege Ivan Juras findet, dass die vollständige Arbeitsmarkt-Öffnung positive Auswirkungen auf sein Land haben könnte - auch wenn die Mobilitätsbereitschaft der Slowaken recht hoch sei und das sogar zu einem kurzfristigen Fachkräftemangel im Land selbst führen könnte. Allerdings möchten die meisten Menschen zurückkommen und können so ihre zusätzlichen Erfahrungen aus dem Ausland mitbringen. Mögliche Lücken auf dem slowakischen Arbeitsmarkt könnten mit heimischen Kräften gefüllt werden, die besser ausgebildet werden, sagt Juras.
Doch nicht alle Länder können die Emigration ihrer Einwohner entspannt sehen. Denn spätestens nach 2004 haben Millionen Menschen Osteuropa auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten verlassen. So klagen bereits in Polen aber auch etwa Rumänien bestimmte Branchen - wie Bauunternehmen - immer wieder, dass sie nicht genug Arbeitskräfte haben.
Ärzte verlassen Heimat
Besonders spürbar wird der Exodus auch bei Ärzten und Pflegepersonal. Im Vorjahr haben hunderte tschechische Ärzte aus Protest gegen geringe Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen ihre Kündigung eingereicht. Die meisten konnten durch Gehaltserhöhungen gehalten werden.
In Polen haben Ärzteverbände bereits 2007 Alarm geschlagen. Manche Schätzungen gingen schon damals von 14.000 im Gesundheitswesen tätigen Emigranten aus. Rumänien haben in den letzten drei Jahren mehr als 5000 Ärzte verlassen, in Bulgarien ist die Situation ähnlich - auch wenn es für die Bürger beider Länder noch Hürden auf dem Arbeitsmarkt anderer EU-Staaten gibt.
Die Regierungen in Warschau, Bratislava oder Bukarest haben die Auswanderung teils gut ausgebildeter Menschen lange nicht problematisiert. Stattdessen verwiesen sie auf den positiven Effekt, dass die Emigranten Geld nach Hause schicken. Für das Wachstum der Wirtschaft in der Heimat spielt dies aber eine immer geringere Rolle.

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