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Wer hat da das F-Wort gesagt?

Von Bernhard Baumgartner

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Der Schauspielerin Sophie Rois ist angesichts der Zustände im deutschsprachigen Fernsehen der Kragen geplatzt: "Rauchen ist Porno, der TV-Kommissar darf nichts mehr trinken, dafür gibt es aber möglichst viele Filme über vergewaltigte Zwölfjährige", sagte sie. Es werde versucht, irgendeine Moral rauszuquetschen: "Das ist doch der reinste Tugendterror."

Bevor nun die Apologeten des Untergangs des Abendlandes angesichts der klaren Worte in allzu heftiges Kopfnicken verfallen, ist ein Blick über den Tellerrand, sprich den großen Teich, zu empfehlen. Denn wie läuft es denn in Hollywood, das noch immer als Messlatte für das Mainstream-Fernsehen herangezogen wird?

Hier wird im Hochglanz-TV moralisiert, dass vor lauter Biederkeit die Schwarte nur so kracht. Kein Held kann makellos genug sein, keine Zwischentöne zu subtil - als Sigourney Weaver in "Avatar" (mutmaßlich teuer bezahlter Weise) zur Zigarette griff, gingen die Wogen hoch, als hätte jemand das F-Wort gesagt. Es ist eben nicht die Zeit des Naturalismus im Fernsehen und Kino. Optisch nicht - es darf ja nur Makellosigkeit sein -und auch in den erzählten Geschichten nicht. Was nicht sein soll, darf auch nicht sein, denn unerwünschte Verhaltensweisen haben nur schlechte Charaktere. Ein Typ wie Horst Schimanski, der flucht, prügelt, trinkt und sich hauptsächlich von Currywurst ernährt (von den Frauengeschichten ganz abgesehen), hat ausgedient. Zu alt, zu hässlich, zu unkorrekt. Solange sich das deutsche Fernsehen in seiner Correctness brav an den US-Mainstream hält, wird sich das auch nicht ändern.