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"Wer nicht hören will, muss fühlen"

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Die Reise nach Kanada hat sich für Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem nicht ausgezahlt, nach exakt fünf Games war sie beendet. So lange dauerte das Spiel gegen Kevin Anderson, dann musste Thiem beim Stand von 1:4 wegen Hüftproblemen aufgeben. Und wer den Schaden hat, braucht für die Kritik nicht zu sorgen. Diese kam nun auch von seinem in Toronto nicht anwesenden Trainer Günter Bresnik: Er habe ihm schon vorher geraten, nicht nach Toronto zu fahren, erklärte Bresnik der Austria Presse Agentur. "Aber wenn einer nicht hört, muss er fühlen."

Diese Worte, vor allem öffentlich formuliert, mögen hart erscheinen, doch Thiem war schon vor Kitzbühel krank und dort auch nach eigenen Worten nicht fit. Er hat heuer 63 Matches gespielt, inklusive Daviscup und Einladungsturnieren war er 21 Wochen im Einsatz. Bei dem in der Weltrangliste als Achten unmittelbar vor ihm platzierten Tomáš Berdych waren es 14 Wochen, beim Branchenführenden Novak Djoković zwölf Wochen. Es mag verständlich sein, dass ein junger Spieler auf dem Weg nach oben so viele Turniere und Punkte mitnehmen will wie möglich; doch dem rasanten Aufstieg kann auch ein ebenso schneller Absturz folgen, wenn der Raubbau am Körper zu groß wird. Roger Federer etwa ist schon lange bekannt dafür, sich seine Turniere genau einzuteilen, sonst hätte er sich nicht bis zum Alter von 35 Jahren unter den Besten gehalten. Und selbst er musste sein letztes verbliebenes Ziel vom Olympia-Einzel-Gold aufgeben, weil der Körper nicht mitspielt. Thiem sollte in Zukunft besser auf seinen eigenen hören, auch das gehört zum Lernprozess. Denn dass er noch immer in einem solchen steckt, sollte man trotz seiner Erfolge nicht vergessen.