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"Wer nichts gemacht hat, war der Trottel"

Von Matthias Nagl

Politik

Helmut Mödlhammer kritisiert die goldenen Jahre des Finanzmanagements.


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"Wiener Zeitung": Wird der Landtag schon am Mittwoch einen Beschluss über Neuwahlen fällen?Helmut Mödlhammer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jetzt schon eine Entscheidung für Neuwahlen geben wird. Man sollte zuerst das Ausmaß der Geschichte herausfinden und dann darangehen, Wege zu finden, wie wir aus der ganzen Sache wieder gut herauskommen. Erst danach sind allfällige Konsequenzen und die politische Verantwortung zu diskutieren.

Warum sind Sie gegen sofortige Neuwahlen?

Die Leute erwarten, dass wir Lösungen bieten, wie wir die Geschichte aufarbeiten können. Am Ende steht dann, dass die Karten neu gemischt werden.

Ein Untersuchungsausschuss zum Finanzskandal ist aber sehr wahrscheinlich, oder?

Er kommt sicher. Aufgeklärt muss alles werden. Da muss möglichst rasch alles offengelegt, jeder Tag genutzt werden, damit das alles umgehend geklärt wird. Schließlich brauchen wir auch bald ein Landesbudget. Es wird nicht gehen, dass man die Zahlen lange einfach so fortschreibt.

Sie sind seit 1986 in der Politik und seit 13 Jahren Präsident des österreichischen Gemeindebundes. Haben Sie einen ähnlichen Vorfall schon einmal erlebt?

Nein, in dieser Form nicht. So etwas hat es im Land Salzburg noch nicht gegeben. Woanders allerdings sehr wohl, zum Beispiel in Linz. Der dortige Swap-Skandal hat eine Dimension, die nicht anders ist. Bei den Bundesbahnen hat es Ähnliches auch schon gegeben, ebenso bei der Bundesfinanzierungsagentur. Da muss ich besonders lachen, wenn man die jetzt als Agentur darstellt, die es besser könnte.

Die Anzahl dieser ähnlichen Skandale zeigt doch, dass vielleicht grundsätzlich etwas nicht stimmt.

Das System passt einfach nicht. Man sollte solche Spekulationsgeschäfte für öffentliche Körperschaften verbieten. Mit konservativer Veranlagung bekommt man vielleicht das eine oder andere Promille weniger, hat aber weniger Risiko. Mit privatem Geld kann man machen, was man will. Doch mit öffentlichen Geldern sollte man vorsichtig sein. Es gab aber eine Zeit, da war Finanzmanagement ein Modewort. Das war ein Hype. Derjenige, der nichts in diese Richtung gemacht hat, war der Trottel. Jetzt ist plötzlich der Tölpel langfristig gesehen doch der Gescheitere.