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Wer nörgelt, kauft

Von Bernhard Baumgartner

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Es hat zehn Jahre (und damit unerwartet lange) gedauert, aber heute ist das Privatfernsehen in der österreichischen TV-Realität angekommen. Wenn ATV im Dezember seinen zweiten Kanal startet, verfügt Österreich über eine Flotte von zehn Sendern, die heimisches Programm bieten. Es ist kein Zufall, dass der ORF kürzlich mit ORFIII (statt dem glücklosen Kraut-und-Rüben-Sender TW1) ein sehr ambitioniertes Kultur- und Infoprogramm gestartet hat. Vielmehr war es wohl auch der private Glücksfall Servus-TV, der mit seinem öffentlich-rechtlich anmutenden Programm ein steter Stachel im Fleisch des ORF ist. Denn wieso muss in diesem Land ein privater Sender die Dinge spielen, die dem gebührenfinanzierten Staatsfernsehen zu wenig quotenträchtig sind? Mit ORFIII hat der ORF diese verwundbare Flanke geschlossen, auch wenn der Sender noch sehr als Nachspieleprogramm agiert. Da sage einmal einer, dass Konkurrenz das Geschäft nicht belebt - auch im Qualitätsmarkt.

Dass der ORF trotz seiner programmlichen und finanziellen Krisen der vergangenen Jahren noch immer Marktführer ist, ist eines der wenigen noch aktiven Paradoxa der heimischen TV-Landschaft. Und wohl auch einem gewissen Beharrungsvermögen der Zuseherschaft geschuldet. Liebgewonne Gewohnheiten wie das Sehen des immer gleichen Senders sind schwer abzulegen, auch wenn man sich im Nachhinein am Stammtisch maßlos darüber aufregt. Hier wird es wohl noch eine Generation Zeit bis zur Normalisierung brauchen.