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Werner Muhm hört Mitte 2016 auf, AK beginnt Nachfolgesuche

Von Reinhard Göweil

Politik
Werner Muhm (65) hat sich nun entschlossen, als Arbeiterkammer-Direktor am 1. Juli 2016 in Pension zu gehen.
© G. Deutsch/KURIER/pictu

Der 65-jährige Sozialdemokrat bereitet seinen Abschied als Direktor der Arbeiterkammer vor.


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Wien. Wenn jemand lange Zeit für eine bestimmte Bewegung prägend wirkt, wird dies bildhaft gerne als Urgestein beschrieben. Werner Muhm (65) ist demgemäß ein sozialdemokratisches Urgestein. Seit 1975 ist Muhm in der (kaum noch) sogenannten "Arbeiterbewegung" tätig, aktuell als Arbeiterkammer-Direktor. Am 1. Juli 2016 wird Muhm nun offiziell in Pension gehen, das hat er am Montag seinen Mitarbeitern eröffnet. Er will den Jahresabschluss 2015 der AK noch verantworten und im Juni 2016 der Vollversammlung vorlegen. Danach ist Schluss.

Bis dahin wird AK-Präsident Rudolf Kaske einen Nachfolger zu finden haben, der im Moment noch nicht feststeht. Da die AK Wien gleichzeitig auch als Bundesarbeitskammer fungiert, müssen der Direktor-Bestellung auch die AK-Präsidenten in den Bundesländern zustimmen - eine eher formale Angelegenheit.

Werner Muhm gilt als einer der einflussreichsten Sozialdemokraten des Landes. Manchen Medien gilt er als "Mastermind" des SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzlers Werner Faymann. Zuletzt war aber eher Kritik aus der Arbeiterkammer zu hören, ist aus SP-Kreisen zu erfahren.

Industrie fürchtet ihn

In der Industriellenvereinigung gilt Werner Muhm als ideologischer "Gott-sei-bei-uns", auch wenn seine wirtschaftspolitische Expertise kaum in Frage gestellt wird. Der 1950 in Wien geborene Muhm gilt als ausgesprochener Wirtschaftsexperte und als eine Säule der Sozialpartnerschaft.

Und er war immer ein Netzwerker, schon zu Zeiten, als dies noch nicht so genannt wurde. Er galt als Insider in der damaligen verstaatlichten Industrie, saß zu der Zeit auch im Aufsichtsrat der damaligen Voest-Alpine sowie der Creditanstalt. Aktuell sitzt Muhm im Aufsichtsrat der Wiener Städtischen, der Verbundgesellschaft, der Wiener Stadtwerke und der Kommunalkredit sowie im Generalrat der Nationalbank. Und gilt dort als jemand, der unangenehme Fragen stellt. Er war der Erste in der SPÖ, der 2013 den eher diskreten Verkauf der Telekom Austria öffentlich brandmarkte, hat auch jetzt ein waches Auge auf die OMV, die gerüchteweise scheibchenweise verkauft werden soll. Sollte die Gazprom einsteigen, würde ein staatliches russisches Unternehmen den österreichischen Staat als Aktionär ersetzen. Für Muhm ein Unding, ist in der SPÖ zu hören.

Muhm sanierte die AK

Dass in der SPÖ eher ehrfürchtig über ihn gesprochen wird, wird dem streitbaren Muhm (Sternzeichen Widder) nicht unrecht sein. Er suchte sich jetzt seinen Pensions-Antritt selber aus und - ganz Aufsichtsrat - einen Zeitpunkt, mit dem die letzte von ihm verantwortete AK-Bilanz auch in trockenen Tüchern ist.

Und auf diese Bilanzen ist er im Gespräch stolz, denn als er im Jahr 2000 AK-Direktor wurde, war dies zuerst ein Sanierungsjob. Er sparte und gab dem Haus eine klare Service-Ausrichtung (Arbeitsrecht, Konsumentenschutz) und baute mit Markus Marterbauer eine starke wirtschaftspolitische Abteilung auf.

Dass er ab 2. Juli 2016 in einen umfassenden Ruhestand tritt, ist angesichts der bereits bestehenden Mandate eher auszuschließen. Zurzeit werkt Muhm gerade auf SP-Seite am überfälligen Konjunkturpaket.