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Wettbewerb als Glückssache

Von Reinhard Göweil

Wirtschaft

Die Republik will beim Glücksspiel wegen Spielerschutz keinen Wettbewerb, das Kartellgericht aber schon.


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Wien/Alpbach. Die Entscheidung des Kartellgerichtes, die Übernahme der Casinos Austria durch Novomatic zu untersagen, hat einiges Erstaunen ausgelöst. Zwar ist mit Auflagen gerechnet worden, aber nicht in der Dimension. Im Umfeld der beiden Unternehmen war zu hören, dass hier die Republik Österreich, die ja selbst 33 Prozent an den Casinos hält, recht unlogisch agiert. Aus Spielerschutzgründen will die öffentliche Hand eigentlich keinen Wettbewerb am Markt, für den Betrieb von Casinos werden deswegen zeitlich befristete Lizenzen vergeben. Nun hat das Kartellgericht den Zusammenschluss allerdings gestoppt, weil es zu wenig Wettbewerb gebe.

Trotzdem werden Novomatic in Anwaltskreisen wenig Chancen beim Obersten Gerichtshof eingeräumt, den Spruch noch umzudrehen. Das würde - wie berichtet - bedeuten, dass jene 40 Prozent, die Novomatic erwarb, an die früheren Eigentümer (Banken, Versicherungen) zurückfallen. Jene elf Prozent, die von der tschechischen Sazka-Gruppe von der Städtischen erworben wurden, bleiben davon unberührt.

Einen Fuß in der Tür

Sollte Novomatic an der Zusammenarbeit mit den Casinos weiterhin Interesse haben, wäre folgende Variante denkbar: Die im Eigentum von Johann Graf stehende Novomatic könnte jene 17 Prozent behalten, die sie von der MTB-Stiftung (Bablik) erwarb. Das wäre kein beherrschender Einfluss und kartellrechtlich unangreifbar. "Novomatic hätte so einen Fuß in der Tür", sagte ein Manager.

Eine Übernahme durch die tschechische Sazka-Gruppe wird als wenig wahrscheinlich angesehen. Deren Eigentümer, Karl Komarek und Jiri Smejc, müssten sich in allen Ländern, in denen die Casinos Austria tätig sind, einem finanziellen "Striptease" unterziehen, da im Glücksspielbereich die Herkunft des eingesetzten Kapitals genau geprüft wird. Dem würden sich die beiden tschechischen Milliardäre kaum aussetzen, wird in Wien gemutmaßt.

Sorgen herrschen auch in Niederösterreich. Ob Novomatic an seinen Ausbauplänen für das Hauptwerk in Gumpoldskirchen nach der Kartellgericht-Entscheidung festhält, wird wenigstens in Frage gestellt. Sollten Produktionen von Glücksspielautomaten abgezogen werden, drohen sogar Arbeitsplatzverluste.

Der ehemalige Lotterien-Chef Fritz Stickler, der nun Novomatic berät, bedauert die Entscheidung. "Es wurde die Chance vertan, in dem Bereich einen starken globalen Konzern in Österreich zu schaffen", sagte er der "Wiener Zeitung". Zudem drohe nun der Verkauf der Casinos Austria an andere, weniger berechenbare Investoren.

Im ersten Halbjahr konnten die Casinos Austria im lange Zeit defizitären Auslands-Geschäft mit 2,77 Millionen Euro wieder einen leichten Gewinn vorweisen.