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Wettbewerb soll Österreichs Zukunft sichern

Von Eva Stanzl

Wissen

Trotz beachtlicher Investitionen in Forschung ist das Land immer noch im Rückstand - Exzellenzinitiative soll abhelfen.


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Wien. Klares Bekenntnis zur Spitzenforschung, straff strukturierte Doktoratsausbildungen, verlässliche Karrierepfade für Wissenschafter, mehr Wettbewerb in der Grundlagenforschung und eine klare, internationale Orientierung nicht nur nach Deutschland und Europa, sondern in die Welt: Diese Mischung soll laut Experten Österreich in die Zukunft führen. Eine Exzellenzinitiative, deren Grundrisse der Bundesregierung bis Ende Jänner vorgelegt werden soll, hat dies zum Ziel.

Das in Arbeit befindliche Papier ist ein zentrales Vorhaben der Forschungspolitik und soll in die geplante nationale Strategie für Forschung und Technologieentwicklung (FTI) einfließen. Die Exzellenzinitiative soll mehr Wettbewerb ins Wissenschaftssystem bringen, die Grundlagenforschung stärken und den Ruf der heimischen Universitäten international verbessern. In diesen Zielen ist sich die Expertengruppe einig, die der Bundesregierung bis Ende Jänner einen Entwurf für die Initiative vorlegen will. Ein Konzept dafür soll bei dem für Mai geplanten Forschungsgipfel präsentiert werden.

Mehr Ideen, mehr Arbeit

"Der Kampf um die globale Vormacht findet heute insbesondere im Bereich der Wissenschaften statt", sagt Hannes Androsch, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, zur "Wiener Zeitung". "Das ist ein Kampf zwischen den USA, die immer noch am meisten investieren und hervorbringen, und den mit viel Energie aufholenden Chinesen." Die Budgets der Eliteunis in China könnten mit jenen in den USA mittlerweile durchaus mithalten. Auch bei der Zahl der Publikationen holt das Reich der Mitte mit inzwischen elf Prozent aller veröffentlichten Studien (2018) auf. "Europa ist weit abgeschlagen und Österreich liegt innerhalb Europas nur im oberen Mittelfeld", betont Androsch. Zwar konnte Österreich bis 2017 seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt gegenüber 2007 von 2,42 auf 3,16 Prozent steigern (2018: 3,19 Prozent). Damit hat unser Heimatland laut der Statistikbehörde Eurostat den zweithöchsten Wert unter den 28 EU-Staaten erreicht. Spitzenreiter ist Schweden mit 3,33 Prozent.

Dennoch haben andere Länder, die sogar etwas weniger investieren als Österreich, eine höhere Innovationskraft. In europäischen Innovationsrankings reihen Dänemark mit 3,06 Prozent Forschungsausgaben des BIP, Deutschland (3,02) und Finnland (2,76) vor Österreich, das im vorderen Mittelfeld verharrt. "Unser Geld fließt stark in Anwendungs- und Entwicklungsforschung, jedoch zu wenig in die Grundlagenwissenschaften, die die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit pro futuro sichert", hebt Androsch hervor. Mit der neuen FTI-Strategie gilt es daher aus Sicht des Rates, vor allem bestehende Effizienzbarrieren abzubauen.

Freilich schlagen sich Investitionen in Grundlagenforschung erst Jahrzehnte später in der Wirtschaft nieder - man denke etwa an genetische Tests in der Medizin, die auf die Entschlüsselung der DNA 1953 zurückgehen. Doch gerade deswegen sichern grundlegende Forschungsprojekte langfristig die Arbeitsplätze von Regionen - etwa die Erfindung von Computern in Silicon Valley, auf der die Technologieführerschaft Amerikas unter anderem aufbaut.

Trotz Österreichs hoher Forschungsausgaben ist die Uni Wien die einzige von insgesamt 22 Hochschulen in Österreich, die unter den weltbesten 200 im "Times Higher Education Ranking" reiht. "Unser Ziel muss sein, mindestens zwei Universitäten unter den Top-100 und weitere vier unter den ersten 200 zu haben" sagt Klement Tockner, Chef des Wissenschaftsfonds FWF und Sprecher der Exzellenzinitiative. "Die Universitäten müssen stärker forschungsorientiert arbeiten, denn sie stehen im internationalen Wettbewerb. Es wird darum gehen, Maßnahmen zu setzen, wie man die besten Talente gewinnen, fördern und halten kann", unterstreicht Tockner.

Wettbewerb, nicht Gießkanne

Der FWF-Chef plädiert für langfristige, international sichtbare Profilbildung. "Natürlich braucht man eine große Breitenwissenschaft, aber gleichzeitig müssen wir uns zu Spitzenforschung bekennen", sagt er. 22 Unis in einem kleinen Land seien dann von großem Wert, wenn sie sich vernetzen können. "Fragmentierung geht zulasten der Qualität. Erfolg in einem Exzellenzcluster kommt über Forschungskooperationen zwischen Unis, Fachhochschulen und außeruniversitären Instituten zustande", betont Tockner, und: "Keine Institution wird alles abdecken können, aber der Wettbewerb und nicht die Gießkanne befördert Kooperation."

Gute Ideen machen vor keiner nationalen Grenze halt. Vor diesem Hintergrund müsse Österreich attraktiv werden für die besten Talente. "Der Ausbau von strukturierten Doktoratsprogrammen und ein einheitliches, attraktives Tenure-Track-Modell sind eine Grundvoraussetzung für einen attraktiven Forschungsraum, der weltweit die besten Forscher anzieht", erklärt der FWF-Chef.

Die Umsetzung erfordere nicht eine bloße Umverteilung von Mitteln, sondern "frisches Geld". Für die Exzellenzinitiative müssten das "sinnvollerweise 300 Millionen Euro" sein, betont Androsch. Weiters empfiehlt er, ähnlich wie die Vorsitzende der Universitätenkonferenz Eva Blimlinger, eine schrittweise Anhebung der FWF-Mittel auf das Niveau des Schweizer Nationalfonds von 900 Millionen Euro - also eine Verdreifachung der FWF-Mittel pro Jahr.