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Elitäre Kongresskammer spiegelt gesellschaftliches Ungleichgewicht. | Washington/Wien. Zwei Jahre nach der Wahl Barack Obamas zum ersten schwarzen Präsidenten in der US-Geschichte ist der Senat wieder zum Klub der Weißen geworden. Kein Afroamerikaner schaffte bei der Kongresswahl den Sprung ins Oberhaus. Der Demokrat Kendrick Meek unterlag in Florida, Alvin Greene scheiterte in South Carolina und Mike Thurmond in Georgia. Der einzige Schwarze mit Senatssitz, Roland Burris, ist am Dienstag nicht mehr zur Wahl angetreten. Er hat 2004 Barack Obama ersetzt, als dieser ins Weiße Haus einzog.
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Nirgendwo spiegelt sich das soziale Ungleichgewicht, unter dem die schwarze US-Bevölkerung auch im 21. Jahrhundert leidet, so deutlich wie in der prestigeträchtigen ersten Kongresskammer. In der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten haben es erst sechs Schwarze in den Senat geschafft - da tut sich sogar die zweite große gesellschaftlich diskriminierte Gruppe, die Frauen, leichter: 17 weibliche US-Senatoren hat es gegeben, eine schwarze Frau wurde freilich noch nie mit "Senator" angesprochen.
Erstmals gelangte 1870 ein Afroamerikaner in den Senat - als bewusstes Signal, dass die düsteren Zeiten der Sklaverei zu Ende sind. Vier weitere - darunter Barack Obama selbst - wurden erst in der Folge der Bürgerrechtsbewegung in das Epizentrum der Macht vorgelassen. Im weit weniger elitären Repräsentantenhaus saßen zuletzt etwa 40 Afroamerikaner, nach den Kongresswahlen vom Dienstag ziehen hier erstmals seit 2003 zwei schwarze Republikaner ein. An der Tatsache, dass etwa 40 Millionen US-Bürger in allen politischen Institutionen stark unterrepräsentiert sind, ändert das freilich nichts.
Die Kandidatur von Afroamerikanern scheitert oftmals bereits an dem nötigen Kleingeld. In Illinois etwa mussten sich bei den vergangenen Kongresswahlen vier schwarze Bewerber, zwei Demokraten und zwei Republikaner, geschlagen geben, weil ihre Kampagnen hoffnungslos unterfinanziert waren. Ein weiteres gravierendes Problem besteht darin, dass es in keinem US-Bundesstaat eine schwarze Mehrheitsbevölkerung gibt.
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