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Vernichtende Selbstkritik beim Währungsfonds. | Krise wurde nicht erkannt, weil Warner nicht gehört wurden. | Strauss-Kahn will Organisation des Fonds verändern. | Washington/Wien. Kritik am Internationalen Währungsfonds (IWF) ist beileibe nicht neu: Der globalen Finanzfeuerwehr wird seit Jahrzehnten vorgeworfen, eine einseitig neoliberale Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Länder, die auf Hilfskredite angewiesen sind, beklagen die harten Auflagen. | Wer die Krise gesehen hat
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Ihr Vorwurf: Unter der IWF-Rosskur - zu der Sanierung gehören in der Regel Kürzungen staatlicher Ausgaben, Sozialabbau, Lohndumping - hätten vor allem die Ärmeren zu leiden. Die Griechen, die Hilfskredite von den anderen Euroländern und dem IWF erhielten, können ein Lied davon singen.
Herdentrieb und allzu großer Optimismus
Jetzt gibt es erneut vernichtende Kritik - allerdings aus dem eigenen Haus: Das Independent Evaluation Office (IEO), eine 2001 gegründete und von der IWF-Führung unabhängig operierende Einheit, hat die Rolle des Fonds im Zeitraum 2004 bis 2007 untersucht. Kernpunkt war die Frage, ob der IWF die Finanzkrise vorhergesehen hat und wenn nicht, warum nicht. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse publiziert. Sie stellen den Finanzexperten in Washington ein vernichtendes Zeugnis aus.
Demnach habe der IWF vor dem Ausbruch der Krise nur "wenige klare Warnungen über die Risiken und Verwundbarkeit" der Finanzmärkte ausgesprochen. Stattdessen sei wie ein Banner die Botschaft vor- und vorangetragen worden, dass die großen Finanzinstitutionen "gesund und widerstandskräftig" seien. Der übertriebene Optimismus habe auch Praktiken der Finanzzentren wie Wall Street in New York oder City of London betroffen. Jene Gefahren, die den Crash auslösten, seien hingegen systematisch heruntergespielt worden.
So war der IWF blind für die Blase am US-Immobilienmarkt und für die Dominoeffekte, die von "innovativen" Finanzprodukten ausstrahlten - etwa durch das Bündeln und Wiederverpacken von Ramsch-Krediten zu handelbaren Papieren. Rufe nach stärkerer Regulierung, welche die Risiken begrenzen hätte können, seien ignoriert worden.
Der aus Mexiko stammende IEO-Direktor Moises Schwartz nannte am Mittwoch mehrere Gründe für die Kurzsichtigkeit: Dazu zählten ein stark ausgeprägtes Gruppendenken innerhalb des IWF und eine intellektuelle Voreingenommenheit darüber, dass eine große Finanzkrise in fortgeschrittenen Volkswirtschaften unwahrscheinlich sei. Intern habe es nur schwache Kontrollmechanismen gegeben - die Kultur innerhalb der Institution habe abschreckend auf Zweifler und Mahner gewirkt.
Der Untersuchungszeitraum fällt großteils in die Zeit von Währungsfonds-Direktor Rodrigo Rato. Der Spanier hatte im Mai 2004 den Deutschen Horst Köhler abgelöst; seit 2007 steht der Franzose Dominique Strauss-Kahn an der Spitze. "Dass der IWF an der Aufgabe, vor der systemischen Krise rechtzeitig, pointiert und effizient zu warnen, gescheitert ist, ist eine beschämende Tatsache", sagte Strauss-Kahn in Reaktion auf den Prüfbericht. Der Fonds habe schon Schritte zu mehr Weitsicht unternommen. So sei die Überprüfung der Krisenanfälligkeit als Standard in viele IWF-Programme übernommen worden. Strauss-Kahn versprach, dass Experten, die Meinungen abseits der generellen Linie vertreten, früher gehört werden.
Prüfer Moises Schwartz räumte ein, dass erste Kurskorrekturen erfolgt seien. Es brauche aber weitere Verbesserungen, etwa klare Verantwortung in der Organisation. Es müsse möglich sein und Anreize geben, "gegenüber den Mächtigen Klartext zu sprechen".
IWF hat sich als lernwillig erwiesen
Lernbereitschaft gestehen dem Fonds selbst kritische Stimmen zu: "Der IWF hat unter den internationalen Organisationen relativ noch am meisten aus der Krise gelernt", sagt der Ökonom Stephan Schulmeister. "Die EU und die Europäische Zentralbank hingegen verordnen weiterhin dieselben Therapien wie vor der Krise." Der Fonds sei vorsichtiger geworden.
Besonders die Asienkrise Ende der 1990er Jahre galt bisher als ein Wendepunkt. Damals hatten die Standardrezepte nicht nur nicht funktioniert, sondern die Krise sogar noch verschärft. Eine der Folgen der Selbstkritik war 2001 die Etablierung der Kontrollinstanz IEO, die seither jährliche Berichte legt.
Wissen
Der Währungsfonds, 1944 in Bretton Woods (USA) gegründet, ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und greift ein, wenn Länder Finanzierungsprobleme haben oder ihnen der Bankrott droht. Die Krisenhelfer vergeben Kredite, die meist an strikte Auflagen geknüpft sind - etwa die Sanierung des Staatshaushalts. Finanziert wird der Fonds aus den Kapitaleinlagen seiner 187 Mitgliedsländer. Auch in der Lösung der Schuldenkrise der Eurozone arbeitet die EU eng mit dem IWF zusammen.
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