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Es gibt wenige Refugien, wo im Fernsehen ein Mann noch so sein darf wie früher. Ungehobelt, kantig, ein echter Macho alter Schule. In "Der letzte Bulle", der Krimiserie, die gerade in der dritten Staffel auf Sat1 über den Schirm geht, hat das System. Denn "der letzte Bulle" ist tatsächlich der letzte seiner Art. Ein roher Schnüffler aus der Schimanski-Ära, der zwanzig Jahre im Koma lag und dann, nach dem Erwachen, feststellte, dass die Welt eine andere geworden ist. Was ihn nicht daran hindert, genauso seinem Treiben nachzugehen wie eh und je. Und so pöbelt sich Mick (sehr authentisch: Henning Baum) durch die Gegend - zusammen mit seinem geliebten Auto, das natürlich längst zum Oldtimer gereift ist, und dem Rechtsmediziner, der sich der Frau des Bullen bemächtigte, als er im Koma lag. Das alles gibt Stoff für hervorragende Dialoge, die man so im deutschen Fernsehen selten sieht. Dass die Geschichten zum Teil ein wenig elementar daherkommen (so musste ein Trainer sterben, weil er einen Sportler des Dopings bezichtigt hatte - Kategorie: Nona, Subkapitel: Ah geh?) - wer will es den Machern verübeln? Bei "Kottan ermittelt" hat seinerzeit auch keiner ernsthaft einen packenden Krimi erwartet. Viel lieber will man wissen, wie die diversen Matches, die der Parademacho vorantreibt, ausgehen. Und welches unmögliche 80er-Jahre-Hemd nun wieder aus der Mottenkiste geholt wird. Wie auch immer: eine Bereicherung der Fernsehlandschaft.
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