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Wie der Ostertermin berechnet wird

Wissen

Mal im März, mal im April: Ein neuer Fund bringt Licht in ein altes Terminfindungsproblem.


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Wann feiern wir das Osterfest? Diese Frage beschäftigt die Menschheit, seit es Ostern gibt. Denn das Fest hat kein fixes Datum, sondern bloß Regeln, nach denen sich der Termin errechnen lässt. Auf den ersten Blick scheinen diese Regeln simpel: Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert.

Doch nach welchem System ist der Frühlingsbeginn zu berechnen? Ausgerechnet während einer U-Bahn-Fahrt machte der Historiker Christian Gastgeber einen Fund, der die Methodik erklärt. In der Westkirche hat sich nämlich ab dem Jahr 532 ein ägyptisches Berechnungsmodell durchgesetzt.

Ein "hässlicher" Schatz

Die Auferstehung Christi ist der Höhepunkt des Kirchenjahrs. Dennoch war der Tag, an dem sie gefeiert wird, im Mittelalter ein Problem im Kalender. Es ging sogar so weit, dass der Festritus in benachbarten Gegenden zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgehalten wurde, je nachdem, welches örtliche Berechnungsmodell Verwendung fand.

Die Festlegung des Konzils von Nicäa im Jahr 530 bestimmte, dass am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond das Osterfgeast zu feiern wäre. Das löste aber nur einen Teil des Problems, denn es galt ja auch, den exakten Beginn des Frühjahrs zu definieren. Diese Aufgabe fiel dem Gelehrten Dionysius Exiguus zu, der für seine Tabellen auf die Erkenntnisse ägyptischer Mathematiker zurückgriff, die ihm dieses Material lieferten.

Bis vor kurzem war zwar bekannt, dass der Gelehrte das Material übernahm und die Osterberechnung damit vereinfachte, aber nicht, wie es aussah. Bis Christian Gastgeber vom Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in der Wiener U-Bahn saß und das fehlende Puzzleteil beim Scrollen durch digitale Archive fand.

"Sensationsfund" in der U-Bahn

"Ich möchte die Zeit in der U-Bahn gerne vernünftig nutzen, deswegen stöbere ich dabei in Onlinedatenbanken von Archiven und Bibliotheken", sagt der Historiker zur "Austria Presse Agentur". Der Fund während der Fahrt war ein handschriftliches, in Griechisch verfasstes Dokument, das neben einer Oster-Termintabelle Informationen zu Berechnungsmethoden enthielt.

"Unter einem Schatz stellt man sich ja eine illuminierte Handschrift in Goldtinte mit schönen Zeichnungen vor. Dieser Fund aber war eine kleine, hässliche Handschrift, noch dazu in einem schlechten Erhaltungszustand, auf die ich nur aufmerksam wurde, weil ich mir dachte, dass das etwas aus dem Osterfestbereich sein könnte", berichtet Gastgeber. Der Forscher sieht darin einen "Sensationsfund".

Um das Original sichten zu können, musste er aber zunächst nach Mailand in die Biblioteca Ambrosiana reisen. Deren Direktor, Federico Gallo, staunte nicht schlecht, als Gastgeber ihm eröffnete, welchen "Schatz" er in den Beständen seines Hauses beherbergt. Mit Gallos Unterstützung machte sich Gastgeber an die Entschlüsselung. "Die Handschrift las sich wirklich nicht einfach, da sie wahnsinnig viele Abkürzungen beinhaltet, die zu dieser Zeit offensichtlich Usus waren. Oft waren das nur irgendwelche Punkte und Striche in irgendeine Richtung in den Texten, aber dann ergab es schließlich Sinn", sagt er.

Historisches Osterei

Die Oster-Termine in der Tabelle erwiesen sich als korrekt und als mit den angegebenen Methoden nachrechenbar. "Natürlich gehorcht das Leben nicht der Mathematik. Innerhalb der Geschichte wandern die Termine immer ein bisschen, denn unsere Berechnungsgrundlagen sind nur Annäherungszahlen. Innerhalb von zehn bis 30 Jahren macht das nichts, bei 100 Jahren dann aber schon", sagt der Byzantinist.

Das ägyptische Berechnungsmodell herrschte bis zur Reform des Julianischen Kalenders im 16. Jahrhundert vor. Was macht den Fund so sensationell? "Die westliche, lateinische, von Rom unterstützte Osterberechnung stellt sich jetzt auf ein neues Bein. Jetzt wissen wir, wie das Modell dazu ausgesehen hat und was man dann im Westen neu gemacht hat", erklärt der Historiker. Knapp vor Ostern 2022 veröffentlichte man die Forschungsergebnisse zu einem jahrhundertealten Rätsel, das das historische Osterei aus der U-Bahn zu lüften half, im "Journal of Byzantine Studies" der ÖAW. (est)