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Wie die Tabakindustrie den Frauen das Rauchen schmackhaft machte

Von WZ Online

Wissen

Die US-Tabakkonzerne haben umfangreiche Forschungen betrieben, um das Rauchen für Frauen attraktiver zu machen. Zu den Ideen gehörte dabei auch eine Zigarette mit Schokoladengeschmack, die den Appetit zügeln sollte.


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Forscher der Universität Harvard durchforsteten mehr als sieben Millionen Dokumente, die zwischen 1969 und 2000 entstanden, auf Hinweise, wie die Tabakindustrie den Frauen das Rauchen schmackhaft machen wollte. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Juni-Ausgabe des Magazins "Addiction".

Die Hauptautorin der Studie, Carrie Carpenter, erklärte, die Forschungen seien weit über Marketing- oder Anzeigenkampagnen hinaus gegangen. "Die Frauen sollten wissen, wie weit die Tabakindustrie gegangen ist, um sie zu instrumentalisieren." In einem Dokument von 1987 von Philip Morris wird hervorgehoben, dass längere und dünnere Zigaretten den Eindruck eines "gesünderen" Produkts erweckten. Die meisten Raucher wüssten wenig über den Teer- oder Nikotingehalt ihrer Zigaretten, heißt es darin. Die Wahrnehmung sei daher wichtiger als die Realität. Und in diesem Fall sei die Wahrnehmung, dass weniger Tabak konsumiert werde. Philip Morris wollte dazu zunächst nicht Stellung nehmen.

Die Idee mit den Appetit zügelnden Zigaretten kam der Studie zufolge beim RJ-Reynolds-Konzern auf. Verschiedene Geschmacksrichtung für Zigaretten wurden vorgeschlagen, zum Beispiel Schokolade, Schokolade-Minze oder Honig. Es gab aber keine Hinweise, dass dies dann weiter verfolgt wurde.

Die Harvard-Studie verweist darauf, dass der Anteil der rauchenden Frauen bis 2015 weltweit vermutlich um 20 Prozent steigen wird, was vor allem auf die steigende Zahl rauchender Frauen in Entwicklungsländern zurückgehe. Bei den Männern gehe der Anteil der Raucher hingegen kontinuierlich zurück.