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Wie ein Fels in der Brandung

Von Karl Leban

Wirtschaft

Konzern-Gewinn legt um 42 Prozent auf 841 Millionen zu. | Kapitalpolster "unser Airbag" in turbulenten Zeiten. | Wien. Inmitten des trudelnden Bankensektors scheint die Raiffeisen International (RI) so etwas wie eine Insel der Seligen zu sein. Denn anders als viele internationale Geldinstitute hat die börsenotierte Ostbanken-Holding der Raiffeisen Zentralbank (RZB) nach eigenem Bekunden keinerlei Schäden aus der um sich greifenden Finanzmarktkrise zu beklagen.


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Für 2007 konnte RI-Chef Herbert Stepic am Donnerstag eine weitere Rekordbilanz verkünden - eine, die sich von den Bilanzen großer internationaler Finanzhäuser "wohltuend abhebt". Unterm Strich verdiente die - nach wie vor stark wachsende - RI, die in 15 Ländern Osteuropas aufgestellt ist, 841 Mio. Euro und damit um 42 Prozent mehr als im Jahr davor.

Die Dividende soll von 71 auf 93 Cent je Aktie erhöht werden. Insgesamt werden 143,8 Mio. Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Mutter RZB kassiert davon mit 98,5 Millionen mehr als zwei Drittel.

"Wir sind weder direkt noch indirekt im Subprime-Markt engagiert", sagte RI-Finanzchef Martin Grüll in der Jahres-Pressekonferenz. Er räumte jedoch ein, dass die Kreditkrise so wie alle anderen Bankinstitute auch die RI tangiere - aufgrund der gestiegenen Kapitalkosten. Nicht zuletzt dank seines komfortablen Geldpolsters, der im Oktober 2007 mit 1,2 Mrd. Euro aufgefüllt wurde, hat es der Ostbankenriese allerdings wesentlich einfacher, wenn es darum geht, mit anderen Banken Kreditkonditionen auszuhandeln. Mit einer Kernkapitalquote von 10,5 Prozent sei die RI der "am besten kapitalisierte Player in Osteuropa", so Grüll. Für Stepic ist die gute Kapitalausstattung "unser Airbag, bei dem wir selbst entscheiden können, wann wir ihn auslösen".

Hohe Wachstumsziele

Dass - wie mancherorts behauptet - die Wachstumsstory im Osten vorbei sein soll, stellt Stepic in Abrede. Nach 50 Jahren kommunistischer Herrschaft hätten die Länder einen nach wie vor großen wirtschaftlichen Aufholbedarf. "Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung und haben noch einen langen Weg vor uns." Die RI ist in einem Markt mit über 300 Millionen Menschen tätig. Allein 2007 stieg die Zahl der Kunden um 1,6 auf 13,7 Millionen. Die Bilanzsumme wuchs um 30 Prozent auf 72,7 Mrd. Euro. Bis 2010 soll sie jedes Jahr um mindestens 20 Prozent weiter steigen. Bis dahin will die RI auch die Zahl der Filialen von zuletzt 3015 auf 3750 kräftig aufstocken.

Dass die Finanzkrise die Konjunktur auch in Osteuropa stark abwürgen könnte, glaubt Stepic nicht: "Wir sehen in der Realwirtschaft kaum Auswirkungen." Das Wachstum sei mit durchschnittlich 5,5 Prozent nach wie vor dynamisch - wenn auch reduziert, sei es dreimal höher als im EU-Raum.

Auch die vom Internationalen Währungsfonds immer wieder geäußerten Bedenken wegen der Risiken im Osten hält Stepic für unbegründet: "An diese Äußerungen bin ich schon seit zwölf Jahren gewöhnt."

Den Gewinn will die RI heuer auf rund eine Milliarde Euro steigern. Mit Zukäufen ist es vorerst vorbei, die RI setzt jetzt mehr auf organisches Wachstum.