Zum Hauptinhalt springen

Wie ein Film ins Leben eingreift

Von Bernhard Baumgartner

Kommentare

Hätte Alfred Hitchcock "Psycho" heute und nicht 1960 gedreht, müsste der Film vermutlich mit einem Warnhinweis ausgeliefert werden: "Vorsicht dieser Film kann Ihre Duschgewohnheiten nachhaltig beeinflussen." Tatsächlich hat sich kaum eine Filmszene so ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wie jene, in der Anthony Perkins als Norman Bates nach bangen Minuten der Spannung Janet Leigh in der Dusche meuchelt.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Musik, die irren Schnitte, die Schreie, das Blut. Für viele war danach tatsächlich Duschen nicht mehr dasselbe wie vorher: Die Assoziation dieser Erinnerung mit dem Duschvorhang ist seitdem allgegenwärtig, und es ist vermutlich nicht nur ein modischer Trend, dass in modernen Duschen gerne Glastüren eingebaut werden: Nicht weil man dann so nett hineinsieht. Man will hinaussehen!

Es ist auch fünfzig Jahre später noch immer genial, dass Hitchcock das Gefühl des Ausgeliefert-Seins in der Dusche erkannte und seine Szene darauf aufbaute. Immerhin macht der Entzug der beiden Sinneswahrnehmungen Sehen und Hören (man sieht nichts und hört aufgrund des Rauschens wenig) klarerweise Angst. Das spricht offenbar ganz elementare Urinstikte an, die das Duschen entsprechend unangenehm machen können. Aber so unangenehm wie nach "Psycho" ist es nie. Vielen Dank dafür, Alfred!

Darauf ein Vollbad!

Siehe auch:45 Sekunden kollektiver Horror