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Wie eine Niederlage zum Sieg und der zum Chaos führt

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Claudia Pechsteins Anwalt Thomas Summerer nennt es einen "fulminanten Erfolg" - und das, obwohl die Klage seiner Mandantin, der fünffachen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin, die zuletzt aber mehr mit Doping-oder-Nicht-Doping-Schlagzeilen von sich reden gemacht hatte, auf Schadenersatz und Schmerzengeld in der Höhe von fast 4 Millionen Euro vor dem Münchner Landgericht abgewiesen worden war. Wie das geht? Nun, Pechstein erhält zwar laut diesem erstinstanzlichen Urteil kein Geld vom Eisschnelllauf-Weltverband und dem nationalen Verband, allerdings erklärte das Gericht die Athletenvereinbarung, wonach die Sportler per Unterschrift versichern müssen, in Rechtsstreitigkeiten kein ordentliches Gericht anzurufen, in diesem Fall für unwirksam. Schließlich habe Pechstein nicht freiwillig unterschrieben, denn andernfalls hätte sie an keinen Wettkämpfen teilnehmen dürfen und wäre in ihrer Berufsausübung behindert gewesen. Der Fall Pechsteins, die von 2009 bis 2011 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt war, Doping aber stets bestritten hat und vor allem Sportgerichten abgeblitzt ist, öffnet damit einer Reihe von Klagen Tür und Tor und bringt die Sportgerichtsbarkeit ins Wanken - mit ungewissem Ausgang. Denn die Causa taugt aufgrund ihrer Komplexität nicht zum Präzedenzfall, zudem ist fraglich, welcher Sportler sich einen jahrelangen Gerichtsstreit leisten kann und will. Viel eher ist nun ein Chaos zu befürchten. Andererseits kann die, wenn auch nur theoretische, Machtbeschränkung der großen Sportorganisationen nicht schaden.