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Wie Kinder auf dem Spielplatz

Von Christoph Rella

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Jetzt wäre es an der Zeit für alle, sich wieder etwas einzukriegen. Da steigt ein Pilot beim Großen Preis von Aserbaidschan seinem Frontmann etwas auf den Fuß, und schon wird darum (medial) ein Theater gemacht, als wären da jetzt auf dem Asphalt die Fetzen geflogen - und die Kontrahenten in der Folge mit dem Helikopter ins nächstgelegene Krankenhaus. Denn so arg, wie alle tun, waren die beiden kritischen Manöver von Baku, die nun die Welt in Aufregung versetzen, auch nicht.

Nun stimmt es schon: Die feine englische Art war es nicht gerade, mit der der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel dem dreifachen WM-Champion Lewis Hamilton am Vorderreifen anstupste. Aber ebenso ungehobelt war es von dem Engländer, den von hinten heranspritzenden Ferrari-Star absichtlich auszubremsen, indem er plötzlich die Geschwindigkeit seines Boliden ohne jede Not auf 49 Stundenkilometer reduzierte. Da fährt ja jedes Moped flotter. Und ebenso flott hätte auch hier etwas passieren können, das der Gesundheit der beiden nicht so ganz zuträglich gewesen wäre.

Freilich waren beide Aktionen entbehrlich. Sie erinnern an das Verhalten von sich streitenden Kindern auf dem Spielplatz, wobei hier Vettel, weil er nun einmal als Letzter hingehaut hat, als böser "Rowdy" gemaßregelt wurde. Aber davon, dass jetzt der "Hass explodiert" und es zum "offenen Krieg" gekommen sei, wie einige Zeitungen schrieben, kann keine Rede sein. Wie urteilte die "Gazzetta dello Sport" treffend? "Ein bisschen Boshaftigkeit ist das Salz jeder Rivalität." Und außerdem gehört es zur Show. Dass sich Vettel entschuldigt hat, sollte damit genügen. Verloren haben ohnehin beide. Denn lachender Dritter war Daniel Ricciardo von Red Bull.