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Wie nützlich ist gute Forschung?

Von Christa Karas

Wissen

Eine Notenbank als größter "Mäzen" für Wissenschaft und Forschung: Das Modell dürfte in der Tat weltweit einzigartig sein und ist es jedenfalls "ganz sicher in Europa", wie Dr. Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, aus besonderem Anlass anmerkte. Doch "wie nützlich ist gute Forschung" - so der bewusst ironische Titel des Statements von FWF-Präsident Arnold Schmidt - der Ökonomie?


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"Ohne die großzügige Unterstützung durch die Nationalbank hätte der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahren nicht auf seiner geplanten Wachstumskurve von zehn Prozent pro Jahr bleiben können. Forschungspolitisch ist dieses Wachstum zumindest noch einige Jahre notwendig, um an das Niveau vergleichbarer Länder heranzukommen", so FWF-Präsident Univ.-Prof. Dr. Arnold Schmidt anlässlich einer öffentlichen Präsentation von erfolgreichen Projekten, die gemeinsam von OeNB und FWF gefördert wurden, vergangene Woche in Wien.

Seit 35 Jahren stellt die Oesterreichische Nationalbank Mittel für die Forschungsförderung zur Verfügung. Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens wurde dazu im Jahr 1966 der Jubiläumsfonds gegründet. Seit 1982 erhält auch der FWF Mittel für "wirtschaftsorientierte" Forschungsprojekte - bisher insgesamt mehr als 1,9 Mrd S. Bis 1999 betrug die Zuwendung rund 10 bis 13 Prozent des FWF-Budgets. In den vergangenen beiden Jahren wurden die Beträge massiv erhöht: Im Jahr 2000 betrugen sie 456 Mill. S (39 Prozent des FWF-Budgets) und heuer 384 Mill. S (30 Prozent des Budgets).

Schwerpunktmäßig refundiert die OeNB dem FWF Mittel für naturwissenschaftliche und technische Projekte. Der Begriff "wirtschaftsorientiert" ist dabei bewusst nicht eng gefasst. Für die Förderentscheidung gelten genau dieselben wissenschaftlichen Qualitätsmaßstäbe wie für alle anderen FWF-Förderungen.

Drei Projekte wurden in diesem Zusammenhang vorgestellt: "Das künstliche Innenohr: Von der universitären Forschung zum global verwendeten Medizinprodukt" (Dipl.-Ing. Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer, Institut für Angewandte Physik der Universität Innsbruck bzw. Firma MED-EL), "Neue Methoden der Mikroskopie einzelner Biomoleküle" (Univ.-Prof. Dr. Peter Hinterdorfer und sein Team, Institut für Biohysik der Johannes Kepler Universität Linz) sowie "Intelligente Antennen für den Mobilfunk" (Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Ernst Bonek, Institut für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik der TU Wien).

Insgesamt wurden bisher aus dem OeNB-Jubiläumsfonds 7 Mrd. S an die nationalen Forschungsfonds vergeben, so Gouverneur Liebscher.

Um die Interaktion von Wissenschaft und Wirtschaft geht es auch in der neuen OECD-Studie "The new economy beyond the hype". Darin werden die essentiellen Faktoren für das Wirtschaftswachstum analysiert, wobei sich auch für die Forschungsförderung relevante Aussagen finden: So wird zur Stärkung der Innovation die prioritäre Förderung von Grundlagenforschung empfohlen. Als wesentliche Auswahlkriterien werden wissenschaftliche Exzellenz und Leistung genannt. Weitere Kriterien werden nicht erwähnt.

Weiters wird eine Verstärkung von kompetitiven Förderungs- und Evaluationsmechanismen empfohlen. Obwohl die Unterstützung von Institutionen wichtig bleibt, werden kompetitive Verfahren als besonders nützlich eingeschätzt, um die Qualität der Forschung zu erhöhen. Die Förderungen stärken dadurch die besten Gruppen. "Diese Empfehlungen sind in erster Linie mit Blick auf Wirtschaftswachstum formuliert. Umso bemerkenswerter ist, dass sie haargenau die Position des FWF widerspiegeln, der immer wieder 'Qualität ohne Wenn und Aber' verlangt", so Präsident Schmidt.

Fazit ist eine eindrucksvolle Unterstützung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Österreich durch die erfolgreiche Kooperation der OenB und des FWF.