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Wie singt man "sicher"?

Von Bernhard Baumgartner

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Nachher ist man immer klüger: Nach bald einem halben Jahr Erfahrung mit der Ausbreitung des Coronavirus kann man gewisse Umstände nennen, die bisher zur besonders effizienten Ausbreitung des Virus beigetragen haben. Die Medizin spricht da von "Super-Spreader"-Ereignissen. Eines davon: Singen in der Gruppe. Nur so ist es zu erklären, dass sich etwa in Frankfurt bei einem Gottesdienst 43 Menschen zugleich ansteckten. Nun hat der Chorverband Österreichs reagiert und "Empfehlungen für ein verantwortungsvolles Singen" publiziert. Wenig überraschende Kernforderung: 1,5 Meter Abstand beim Singen und wirkungsvolles Lüften der Proberäume. Grundlage dafür ist eine vom Verband in Auftrag gegebene Untersuchung von Wissenschaftern der Medizin-Uni Wien zur Ausbreitung von Atemluftwolken beim Singen. Dafür wurde die Atemluft der Sänger durch kleine Sonden in den Nasenöffnungen mit künstlichem Nebel versetzt, und die so entstandenen Wolken wurden fotografiert. Weitere Erkenntnis: "Tiefes Ein- und Ausatmen sollte vermieden und das Tragen einer Mund-Nasen-Maske bei Ausübung der Profession überlegt werden", so die Studie. Beides ist beim Singen wohl eher schwierig. Insofern stellt sich angesichts dieser Erkenntnis die Frage, ob man mit gutem Gewissen die Wiederaufnahe der künstlerischen Tätigkeit empfehlen kann, und ob dann 1,5 Meter Abstand wirklich reichen. Nach den Erfahrungen mit der Krankheit würde ein Sicherheitspolster wohl nicht schaden.