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Wie wahr ist "wahr"?

Von Gerald Schmickl

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Erinnern Sie sich noch an "Wer dreimal lügt" mit Günter Tolar? Basis dieser legendären Sendung aus den siebziger Jahren waren jeweils einige unglaubliche Geschichten, von denen drei erfunden, der Rest aber wahr war. So gab es etwa den Urgermanen, der im Wald bei Klosterneuburg stilecht in einer Holzhütte hauste, tatsächlich. Oder eine Kirche, durch welche mitten hindurch eine Straße führte! Oder eine Flaggenparade, inmitten derer eine einzige Fahne in die andere Richtung wehte. Auf einem ähnlichen Prinzip aufgebaut ist die Sendung "X-Factor" auf RTL 2 (montags um 21.10 Uhr und auch am Sonntag um 18.00 Uhr). Moderator Jonathan Frakes, bekannt als Commander William Riker aus "Star Trek - The Next Generation", präsentiert pro Folge fünf Episoden, in welchen Menschen mit unglaublichen, meist paranormalen Phänomenen konfrontiert werden. Auch hier entsprechen einzelne Geschichten wahren Begebenheiten - welche, wird stets erst am Ende der Sendung verraten.

Kurioserweise sind es oft die allerseltsamsten Fälle, die realistische Wurzeln haben. Wird zumindest behauptet, denn - ohne RTL 2 bzw. den US-Produzenten der Serie bewusste Täuschung unterstellen zu wollen - bleibt die Frage: wie wahr ist "wahr" in solchen Zusammenhängen? Frakes verweist bei der Auflösung nur sehr ungefähr auf einen realen Hintergrund. "Solch eine Geschichte hat sich vor zehn Jahren in Maine . . .", heißt es meist recht vage. Hat das je wer nachrecherchiert? Wie frei gehen die Drehbuchautoren mit den angeblich realen Vorlagen um? Dieses Geheimnis bleibt in der spannend gestalteten Mystery-Serie am mysteriösesten gewahrt.