Zum Hauptinhalt springen

Wie weit kommt man mit Vitamin B?

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft
Rainer Trefelik (l.) und Martin Essl. Foto: Gerry Frank

Interview mit Martin Essl und | Rainer Trefelik. | "Wiener Zeitung":Wieso wird Networking für die Karriere immer wichtiger? | Martin Essl: Die Wirtschaft ist so spezialisiert worden, dass es keinen Generalspezialisten gibt. Aus diesem Grund sind Verbindung und ein Netzwerk von entscheidender Bedeutung. Eine unternehmensübergreifende Teamarbeit ist heute wichtiger denn je. Ein Netzwerk heißt, dass jeder bereit ist, mit dem anderen in Kommunikation zu treten und seine Ideen und Erfahrungen einzubringen und gemeinsam daraus Nutzen zu ziehen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Netzwerken ist also im Sinne der Professionalisierung der Leistungen?Essl: Auf jeden Fall. Früher war es so, dass alles auf Einzelleistungen aufgebaut wurde. So läuft die Wirtschaft heute nicht mehr.

Was ist der größte Profit eines Netzwerks?Essl: Die Horizonterweiterung. Wenn man nicht über den Tellerrand hinausschaut, kann man nur innerhalb seines Tellers die größtmögliche Optimierung bekommen. Wenn man ein Netzwerk aufbaut, ist das eine Horizonterweiterung und eine Optimierung der eigenen Möglichkeiten.

Also geht es nicht nur darum, sich mit möglichst vielen Kontakten zu brüsten?Essl: Freundschaft und Kommunikation müssen gepflegt werden. Es hat keinen Sinn, wenn man heute mit jemandem ein nettes Gespräch führt, und dann sieht man sich nicht mehr. Der erste Kontakt hat mit einem Netzwerk noch überhaupt nichts zu tun. Das ist einmal die Möglichkeit der Evaluierung. Dann ist es wichtig, dass die Kommunikation funktioniert.

Rainer Trefelik: Es ist wichtig, dass man zwischen Netzwerk und Name-Dropping unterscheidet. Viele verstehen das so, dass man Namen sammelt. Das hat mit Kennen nichts zu tun.

Welchen Platz soll bzw. kann Networking im Recruiting-Prozess einnehmen?

Trefelik: Es kommen viele Bewerbungen. Hier kann das Netzwerk der Startvorteil sein. Nur wäre es falsch zu sagen, dass man damit eine Garantie hat.

Kann ein Netzwerk Kompetenz ersetzen?

Trefelik: Es unterstützt. Aber um einen nachhaltigen Erfolg zu haben, hilft es nicht. Da muss man Spitzenleistung bringen. Spätestens dann, wenn ich nach zwei, drei Mal die Leistung nicht bringe, dann ist ja auch mein Netzwerk weg. Derjenige, der einen empfohlen hat, verkühlt sich nicht gerne. Daher ist man noch mehr gefordert, eine Spitzenleistung zu bringen, weil man nicht nur sich selbst, sondern auch sein Netzwerk widerspiegelt.

Was sind die Do's und Don'ts beim Netzwerken?Trefelik: Das schlimmste ist das Anlass-Netzwerk: Wenn ich es gerade brauche, dann hole ich es mir. Man muss lange Zeit davor die Basis legen, um darauf zurückgreifen zu kön nen.

Martin Essl, Vorsitzender des Vorstandes der Baumax-Gruppe, ist Präsident des Vienna Business Circle (VBC), des Absolventen-Netzwerks der Vienna Business School. Rainer Trefelik, Präsident des Fonds der Wr. Kaufmannschaft, ist VBC-Vizepräsident. VBC hilft Abgängern der Vienna Business School nach der Schulzeit bei der Jobsuche und beim Kontakte-Knüpfen.