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Weltweit gesehen müssen wir erkennen, dass die Tatsache, dass wir länger leben, kein Problem ist, sondern eine Errungenschaft. Das erfordert natürlich ein Umdenken. Mancherorts werden alte Menschen verehrt und beschützt, anderenorts sieht man auf sie herab, schiebt sie ab, vernachlässigt und misshandelt sie - physisch, psychologisch und finanziell.
Alte Menschen an den Rand der Gesellschaft zu drängen wird in den kommenden Jahren weltweit immer weniger eine Alternative sein. Laut Demographen der UNO wird in den nächsten fünfzig Jahren die Anzahl der Menschen über sechzig wahrscheinlich erstmals in der Geschichte der Menschheit die Anzahl der Menschen unter fünfzehn übersteigen. Während heute eine von zehn Personen über fünfzig ist, wird 2005 bereits eine von fünf über fünfzig sein. Die Anzahl der Menschen über achtzig, der "Ältesten" sozusagen, soll sich sogar verfünffachen. Analytiker der Vereinten Nationen haben die Auswirkungen dieses Trends auf verschiedene Lebenswelten, ökonomische Situationen und Regionen erforscht. In den entwickelteren Regionen übersteigt die Anzahl der Alten bereits jene der Jungen. Obwohl die entwickelte Welt im letzten Jahrhundert kontinuierlich gealtert ist, ist die demographische Veränderung der Altersstruktur dennoch eine Herausforderung für das Verhältnisses von arbeitender Bevölkerung zu nicht-arbeitenden älteren Menschen, für Pensionen, Sozialversicherungssysteme und Gesundheitswesen.
In Entwicklungsländern geht der Alterungsprozess schneller vor sich: ihre ältere Bevölkerung wird sich in den nächsten fünfzig Jahren vervierfachen. Diese Länder werden mit gravierender Ressourcenknappheit konfrontiert werden, während sie mit den gleichzeitig auftretenden Herausforderungen von Entwicklung und alternder Bevölkerung zu ringen haben.
1999, im Rahmen des Internationalen Jahres der älteren Menschen, haben die Vereinten Nationen Bewusstsein für diese Revolution geschaffen. Das Hauptaugenmerk dieses Jahres galt der dringenden Notwendigkeit, eine "Gesellschaft für alle Altersgruppen" zu schaffen, eine Gesellschaft, in der öffentliche Meinungen, Politik und Praxis auf allen Ebenen und in allen Bereichen es den Menschen erlauben, in Sicherheit und mit Würde zu altern, weiter am gesellschaftlichen Leben als gleichberechtigte Bürger teilzuhaben, voll und ganz zur Entwicklung beizutragen und von ihr zu profitieren. Die Zweite Weltkonferenz zu Fragen des Alterns, die die Vereinten Nationen vom 8. bis zum 12. April in Madrid veranstalten, setzt diesen Schritt fort. Länder aus der ganzen Welt werden bei der Versammlung den Internationalen Aktionsplan 2002 beschließen. Dieser ausgehandelte Plan - obwohl nicht gesetzlich verankert - soll Politikern als Richtlinie dienen und notwendige Maßnahmen, die auf eine "Gesellschaft für alle Altersgruppen" abzielen, aufzeigen. Der Aktionsplan deckt eine breite Palette möglicher politischer Maßnahmen ab. Manche beziehen sich auf die Sicherung der Rechte älterer Menschen. Sie umfassen was auch immer ältere Menschen von der Teilnahme an ihren Gesellschaften ausschließt, sie diskriminiert. In der Arbeitswelt, zum Beispiel, könnten politische Strategien entwickelt werden, die die Arbeitsfähigkeit verlängern, Arbeitsplätze adaptieren, etwa durch teilen von Arbeit oder Arbeitsplätzen, flexible Zeiteinteilung oder schrittweise Pensionierung (mit gleichbleibenden Pensionsansprüchen).
Sicheres Altern, der Kampf gegen Armut unter den Älteren, ist ein Hauptanliegen. Ältere Menschen verdienen anständige Pensionen. Besondere Aufmerksamkeit muss den älteren Frauen gelten, dem größten Anteil der Alten. Oftmals sind sie wegen ihrer niedrigen Einkommen und ihrer unterbrochenen Arbeitsgeschichten weniger in der Lage, einen eigenen Pensionsanspruch aufzubauen. Sie können auch schädlichen Traditionen und gesellschaftlichen Gebräuchen zum Opfer gefallen sein, die ihre ökonomische Selbständigkeit untergraben. Armutbekämpfungsprogramme müssen die Bedürfnisse älterer Menschen in ländlichen Gebieten in Betracht ziehen, wo ein Großteil der älteren Bevölkerung heute lebt. Die Bedürfnisse älterer, allein lebender Menschen und jene von behinderten älteren Menschen dürfen nicht vergessen werden.
"Es ist nicht wichtig, wie alt du bist, sondern wie du alt bist", sagt ein chinesisches Sprichwort. Für die Welt als Ganzes, ebenso wie für jeden einzelnen, ist einzig entscheidend "wie wir alt sind".
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Nitin Desai ist Unter-General-Sekretär der Vereinten Nationen für Wirtschaft und soziale Angelegenheiten
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