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Strafverfahren wegen angeblicher Steuerhinterziehung. | Austro-Oligarch Deripaska hätte Käufer sein sollen. | Gutseriev wollte Unternehmen retten. | Moskau/St. Gallen. Der Russneft-Inhaber Michail Gutseriev glaubte, der Strafverfolgung entgehen zu können, indem er seine Firma verkaufte. Oleg Deripaska, ein Putin nahestehender Oligarch, der kürzlich auch beim österreichischen Baukonzern Strabag eingestiegen ist, sollte der Käufer sein. Weil die Justiz nicht locker ließ, wählte der Gejagte nun das Exil.
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Er habe Russneft verkauft, um das Unternehmen zu retten, schrieb Gutseriev vor wenigen Wochen in der firmeneigenen Zeitschrift. "Sie haben mir vorgeschlagen, mich aus dem Erdölgeschäft zurückzuziehen. Ich habe abgelehnt. Danach begann eine präzedenzlose Hexenjagd, um mich nachgiebiger zu stimmen", so Gutseriev. In der Forbes-Liste der reichsten Russen liegt der Multimilliardär derzeit auf Platz 31. Mithilfe des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore baute der ehemalige Parlamentsabgeordnete seinen Ölkonzern in den vergangenen fünf Jahren praktisch aus dem Nichts auf, indem er kleinere Firmen aufkaufte. Heute ist Russneft mit jährlich 14,7 Millionen Tonnen Erdöl das siebtgrößte Förderunternehmen Russlands.
Deripaska involviert
Gemäß der russischen Tageszeitung "Kommersant" begannen die Probleme für Russneft, nachdem sich das Unternehmen 2006 Anteile an einem ehemaligen Yukos-Erdölfeld gesichert hatte, die eigentlich für staatliche Konzerne vorgesehen waren. Verschiedene Behörden leiteten in der Folge mehrere Strafverfahren gegen Tochterunternehmen und Aktionäre von Russneft sowie gegen Gutseriev persönlich ein: wegen illegalem Unternehmertum, Steuerhinterziehung und unrechtmäßiger Aktiengeschäfte. Auf Antrag der Steuerbehörde sanktionierte ein Gericht Ende Juli die Beschlagnahe sämtlicher Russneft-Aktien. Bereits vor diesem Gerichtsentscheid hatte sich Gutseriev mit Oleg Deripaska über den Verkauf seiner Firma geeinigt. Basic Element, die Holding des russischen Aluminiumkönigs, soll dem Russneft-Gründer dafür rund drei Milliarden Dollar überwiesen haben.
Beobachter sind überzeugt: Der Russneft-Eigner musste nachgeben, wollte er nicht so enden wie der ehemalige Yukos-Chef Michael Chodorkowski, der heute in einer sibirischen Strafkolonie einsitzt. Im Gegensatz zu Chodorkowski hat sich der erst 39-jährige Deripaska nach Jelzins Abtritt mit Präsident Putin arrangiert und gilt heute neben Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch als reichster Russe. Den Russneft-Deal habe Deripaska von Präsident Putin persönlich absegnen lassen, berichtet der "Kommersant".
Doch obwohl Gutseriev versprach, sich neben dem Erdöl-Business überhaupt auch aus all seinen anderen Geschäften zurückzuziehen, ließ die russische Justiz nicht locker. Ungeachtet eines Ausreiseverbots soll Gutseriev deshalb bereits Anfang August das Land verlassen haben, worauf die russischen Behörden nach ihm fahnden ließen. Publik wurde dies erst jetzt, nachdem ein Gericht in Moskau seine Verhaftung sanktionierte. Vermutlich kehrte Gutseriev zwischenzeitlich sogar nach Russland zurück, um in der Kaukasusrepublik Nordossetien am Begräbnis seines 22-jährigen Sohnes teilzunehmen. Dieser war bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die russischen Medien gehen im Moment davon aus, dass sich Gutseriev entweder in Aserbaidschan oder in London befindet - mitsamt Deripaskas drei Milliarden Dollar.
Wer kauft Russneft?
Ob der bereits vereinbarte Verkauf von Russneft an Basic Element stattfinden wird, ist derweil unsicher. Gemäß eigenen Angaben reichte Deripaskas Holding bei der Föderalen Antimonopol-Behörde bereits Ende Juli ein Gesuch für den Erhalt eines Aktienkontrollpakets ein. Doch die Beschlagnahme der Aktien könnte den Deal nun verhindern. Russische Medien vermuten, dass es sich dabei um eine gezielte Störaktion handelt. Unter anderem soll auch der stellvertretende Präsidialamtsleiter Igor Setschin an Russneft interessiert sein. Der Vorstandsvorsitzende des staatlichen Erdölkonzerns Rosneft galt bereits bei der Yukos-Zerschlagung als treibende Kraft. Die besten Stücke des Yukos-Imperiums gingen danach in den Besitz von Rosneft über.
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