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Wien hat das Beste im Sackerl

Von Christian Rösner

Wissen

Laut Studie der Vetmeduni Wien enthält das "Gackerl" der Wiener Hunde weniger Parasiten als das der Hunde vom Land.


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Wien. Laut Mercer-Studie und "Economist"-Ranking ist Wien die lebenswerteste Stadt der Welt. Das wissen mittlerweile alle Wiener. Dass aber Wien auch über den besten Hundekot verfügt, ist neu: Laut einer aktuellen Studie der Veterinäruniversität Wien enthält das "Gackerl" der Wiener Hunde nämlich weniger Parasiten als das der Hunde aus dem ländlichen Raum. Auch im europäischen Vergleich habe Wien diesbezüglich die Nase vorn. Der Grund: Die rasche Entsorgung des Gackerls per Sackerl sorge dafür, dass sich die Parasiten nicht verbreiten können, wird vermutet.

In Wien landen täglich mehr als 60.000 Hundekot-Sackerl in den Mistkübeln. Das ergibt mehr als 1200 Tonnen Hundekot im Jahr. Dass sich im Hundekot zahlreiche Krankheitserreger befinden können, war Grund genug für Frank Künzel von der klinischen Abteilung für Interne Medizin, Barbara Hinney und Anja Joachim vom Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, eine Studie zu initiieren. Sie ermittelten, welche Endoparasiten ("Innenparasiten") der Wiener Hundekot enthält.

Das Ergebnis stellt dem Hundekot aus Wien ein gutes Zeugnis aus. Denn angesichts der geringen Parasitenanzahl im Hundekot liegt Wien europaweit im Spitzenfeld - gemeinsam mit Finnland, wie Barbara Hinney im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärte.

Zwar gebe es keine wirklich vergleichbaren Studien - die meisten in Europa durchgeführten seien nicht repräsentativ. Hinney zufolge sind aber im Wiener Hundekot sechs Prozent Parasiten gefunden worden, in Pisa waren es 31 Prozent, in Paris 25 Prozent und in Prag 17,6 Prozent.

1000 Kotproben untersucht

Für die Studie sammelte das Forscherteam mehr als 1000 anonyme Kotproben aus 55 Hundezonen aus allen 23 Bezirken, indem Kot von ausgewählten Hundezonen vom Boden bzw. aus den an den Hundezonen angrenzenden Mistkübeln entnommen wurde. Weitere 480 Kotproben wurden in Mödling und Wolkersdorf gezogen, um Daten für Regionen mit stadtnahem bzw. ländlichem Charakter zu gewinnen.

In der Studie wurde auch der Frage nachgegangen, ob die Dichte der Hundepopulationen und die Sauberkeit der Hundezonen mit dem Auftreten von Parasiten in Zusammenhang stehen. Das Ergebnis: Kot, der nicht vom Besitzer entsorgt wurde, enthielt häufiger Parasiten als jener, der per Sackerl entsorgt wurde. "Dies könnte wohl mit dem unterschiedlichen Hygienebewusstsein der Hundehalter zusammenhängen", sagte Hinney. Eine hohe Hundedichte stand in der untersuchten Hundepopulation hingegen in keinem Zusammenhang mit einem höheren Endoparasitenbefall, so die Studie.

Laut Hinney werden die Parasiteneier vom Hund auf der Straße mit dem Kot ausgeschieden. Dann dauert es für gewöhnlich ein paar Tage, bis die Eier zu Larven bzw. Würmern gereift sind. Wenn das dann von einem anderen Hund oral wieder aufgenommen wird, hat die Übertragung stattgefunden und die Würmer legen im Darm des Tieres wieder Eier. Wird der Kot vorher entsorgt, ist der Entwicklungszyklus der Parasiten unterbrochen.

Generell belegt die Studie, dass der Befall von Hunden mit Innenparasiten in Wien im europaweiten Vergleich gering ist. Und das ist positiv - denn: Innenparasiten bei Hunden können die Gesundheit des Tieres stark beeinträchtigen: Sie sind oft die Ursache für Durchfall, Abmagerung und andere Beschwerden. Zudem sind einige der Parasiten, wie etwa der Spulwurm als Zoonoseerreger, insbesondere für kleine Kinder und immungeschwächte Menschen gefährlich.

Gefahr für Nutztiere

Auch in der freien Natur und besonders auf landwirtschaftlichen Grünflächen sei Hundekot zu vermeiden, da diese als Grundlage für die Herstellung von Futtermitteln für Lebensmittel liefernde Tiere dienen, hieß es. Zudem könne Hundekot für Nutztiere und Pferde gefährlich sein: Wenn diese nämlich verunreinigtes Futter fressen, können Parasiten übertragen werden, welche zu Gesundheitsschäden führen können. Laut den Studienautoren sollten Hundebesitzer über diese Risiken besser informiert und aufgefordert werden, Hundekot ordnungsgemäß zu entsorgen, um das Infektionsrisiko für andere Tiere und Menschen zu reduzieren.

Zwar könne die Studie wissenschaftlich gesehen nicht beweisen, dass die Verwendung von Gackerl-Sackerl die Parasitenbelastung reduziere. Aber dass es hier einen Zusammenhang gebe, sei nicht von der Hand zu weisen.

"Hundekot zu sammeln und zu entsorgen, schützt auf jeden Fall nicht nur vor unliebsamen Verschmutzungen. Es ist auch ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit von Mensch und Tier. Hundehalter sollten deshalb in der Stadt - genauso wie auch in ländlichen Regionen - immer ein ‚Sackerl fürs Gackerl‘ bei sich haben und auch verwenden", hielt Studienautorin Hinney fest.

Gleichzeitig sei aus Sicht des Forschungsteams eine laufende repräsentative Probenahme und Parasitenüberwachung zu empfehlen, da sich das Vorkommen und Artenspektrum der von den Hunden ausgeschiedenen Parasiten dynamisch ändern.

Wissen

Die Vetmeduni Wien ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie biomedizinischen Grundlagen. Der Artikel "Examination of anonymous canine faecal samples provides data on endoparasite prevalence rates in dogs for comparative studies" wurde im Fachmagazin "Veterinary Parasitology" veröffentlicht. www.vetmeduni.ac.at