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Wien hat zu wenig Reha-Plätze

Von Martina Madner

Politik

Trotz der Neueröffnung des größten Rehazentrums Wiens fehlen Betten in der Neurologie und der Orthopädie.


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Wien. Mit "Dankbarkeit" nahm der katholische Pater Clemens Maria Stiedl das "Geschenk des Himmels" entgegen und gab dem neuen Rehabilitationszentrum für Neurologie gemeinsam mit seiner evangelischen Kollegin, Pfarrerin Claudia Schröder, "Gottes Segen" mit auf den Weg.

Der Gesundheits- und Krankenhausbetreiber Vamed erhöht die Bettenanzahl der Rehaklinik Wien Baumgarten auf 222. Zu den bereits seit 2014 in Betrieb befindlichen 152 Betten der Orthopädie kommen weitere 70 Betten für die neurologische Rehabilitation, die künftig unter anderem Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, bei ihrer Genesung unterstützen.

Zeitfaktor wichtig

Ernst Wastler, Vorstandsvorsitzender der Vamed AG, berichtet bei der Eröffnungsfeier von einer Gesamtinvestition in Höhe von 50 Millionen Euro, 176 Arbeitsplätzen und 9000 Orthopädiepatienten seit 2014, "die uns zu 98,5 Prozent weiterempfehlen". Über den Umsatz der Einrichtung hält sich die Vamed - wie auch bei anderen Einrichtungen - bedeckt. Die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Sandra Frauenberger, der Ehrengast bei der Eröffnung, freut sich über die nun kürzeren Wartezeiten der Patienten auf Rehabilitationsmaßnahmen durch die neuen Therapieplätze: "Der Zeitfaktor ist da sehr wichtig. Je schneller man mit der Reha anfängt, desto erfolgreicher ist die Chance auf berufliche Reintegration. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene wieder in das Leben vor ihrer Erkrankung zurückfinden, und entlastet zugleich unsere Spitäler."

Die Stadt Wien investierte im Jahr 2016 im Übrigen 421 Millionen Euro in neue Projekte im Gesundheitsbereich, das Gesamtbudget für den Bereich Gesundheit und Soziales beträgt rund vier Milliarden Euro.

Kurt Aust, stellvertretender Generaldirektor der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), der die Vamed als Vertragspartner für den laufenden Betrieb bezahlt - konkret sind es rund 236 Euro Tagsatz pro Patient bei neurologischer Rehabilitation und rund 174 Euro bei orthopädischen Maßnahmen -, betont zwar, dass sich der Aufwand, den die PVA für Rehabilitation und Gesundheitsvorsorge ausgibt, sich seit 2003 auf insgesamt fast eine Milliarde Euro verdreifacht hat.

Mehr Einrichtungen gefragt

Der stellvertretende PVA-Direktor sagt aber auch, dass in Wien und Ostösterreich nach wie vor Reha-Betten fehlen, in der neurologischen Rehabilitation seien es in der Versorgungsregion Ost, also Wien, Niederösterreich, Nord- und Mittelburgenland, 236 Betten: "Genau in diesem Bereich ist der wohnortnahe Therapieplatz besonders wichtig, da die Verwandten die Patienten bei ihrer Genesung unterstützen können." Um den Bedarf zu erfüllen, sei auch die öffentliche Hand gefragt: "Das können private Betreiber nur bedingt herstellen, da müssen auch wir als PVA in weitere Einrichtungen investieren." Laut PVA-Jahresbericht von 2016 fließen 22 Prozent des medizinischen Rehabilitationsaufwands in Einrichtungen der Pensionsversicherungsanstalt, rund sieben Prozent gehen an solche anderer Sozialversicherungseinrichtungen und 22 Prozent an jene privater Vertragspartner. Mit dem restlichen medizinischen Aufwand werden Hilfsmittel und ambulante Maßnahmen finanziert.

Regionales Missverhältnis

Tatsächlich prognostiziert die Gesundheit Österreich Forschungs- und Planungs GmbH, dass in Ostösterreich im Jahr 2020 ein Mangel an 957 Rehabilitationsbetten bestehen könnte. Sie hatte 2016 für den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger einen Rehabilitationsplan erstellt, der auch bewilligte Bauvorhaben berücksichtigt. Neben der Neurologie werden auch für die Rehabilitation wegen Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Herzkreislaufsystems besonders viele stationäre Betten fehlen. In der Versorgungszone Süd, die die Steiermark und Kärnten umfasst, ist in drei Jahren dagegen ein Überschuss von 793 Betten zu erwarten.

Aust sieht folglich die "Notwendigkeit die Mittel regional umzuverteilen". Das ist eine politische und keine Entscheidung von oben.