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Wien ist -wieder einmal -ganz anders

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Ist Wien früher als Randbörse geschmäht und bestenfalls milde belächelt worden, so kommt ihr gerade jetzt diese Sonderstellung zugute. Während vor allem die Eurolandbörsen und auch New York neuerlich unter Druck gerieten, zeigte hierzulande das Börsenbarometer nach oben.


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Die Rede von US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat in New York hat die Nervosität in den Märkten eher noch gesteigert. Aufgrund der erhöhten Angst vor einem Irakkrieg sind positive Konjunkturzahlen verpufft und die Kurse weiterhin unter Druck gestanden. Die weltweite Baisse führte die Aktienmärkte vielfach auf ein seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr gesehenes Niveau zurück. Der EZB-Rat ließ erwartungsgemäß die Leitzinsen unverändert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Senkung um zumindest 1/4 Prozentpunkt noch durchgeführt wird, ist nach wie vor gegeben. Gewisse Sorgen bereitet der hohe Eurokurs vor allem den europäischen Exporteuren und Finanzdienstleistern mit starkem US-Bezug. Vor diesem international schwierigen Hintergrund hat sich die Wiener Börse wacker geschlagen. Eine wesentlich Stütze bildeten dabei die festeren Indexschwergewichte Erste Bank und Telekom Austria. Die Geschäftstätigkeit an der Wiener Börse war insgesamt um rund 20% schwächer als in der Vorwoche, blieb aber mit einem Tagesvolumen über 58 Mill. Euro im bisherigen Jahresdurchschnitt. Umsatzleader war mit einem Anteil von über 20% Telekom Austria vor Erste Bank (14%), OMV (12%) und Brau-Union (10%). Der ATX, der bereits bis auf 1.184,36 Punkte geklettert war, schloss die Woche mit 1.172,57 Zählern (+1,61% im Wochenabstand). Der ATX Prime stieg um 1,43% auf 616,00 Punkte und der WBI, der alle inländischen Aktien abbildet, verbesserte sich um 1,23% auf 490,72 Zähler. Wien erzielte damit eine ausgezeichnete Performance, denn der Dow Jones Euro Stoxx 50 verlor rund 5% und der DAX ging sogar um nahezu 6% zurück.

Im Wiener Topsegment, dem prime market, waren Agrana mit plus 7,9% Gewinner der Woche. Stärker befestigten konnten sich auch Semperit (+5,8%), BETandWIN.com (+4,4%), Erste Bank und Telekom Austria (je +3,7%), RHI (+3%), Mayr-Melnhof (+2,9%) und VA Tech (+2,8%). Erste Bank wurde von Lehman Brothers als Schlüsselinvestment im europäischen Bankensektor bezeichnet. Das Kursziel wurde mit 70 (aktuell: 64,72) Euro angegeben, die Einstufung mit "Overweight" beibehalten. Semperit hat laut Experten immer wieder Fantasie, zumal das Unternehmen über gute Fundamentaldaten verfügt. Verlierer der Woche war Palfinger (-13,1%). Grund dafür war der Rücktritt des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Schützdeller - für viele Anleger eine Schlüsselfigur bei Palfinger - der diesen Schritt mit privaten Gründen erklärt hat. Es wird auch befürchtet, dass noch schlechte Nachrichten folgen könnten. Stärker unter Druck standen auch Feratel (-9,1%) und voestalpine (-7,1%). Bei letzterer werden Verkäufe eines größeren Investors vermutet, denn fundamental ist der Rückgang nicht gerechtfertigt. Kursrückgänge zwischen 2% und 4% verzeichneten UIAG, BBAG, Head, AUA, Andritz.

Im standard market continuous hielten sich die Kursveränderungen in engen Grenzen. Hier standen Porr Vorzug (+2,2%) Euromarketing (-4,4%) und bauMax (-2,9%) gegenüber. Im standard market auction verbesserten sich Readymix Kies-Union (+18%), Steirerobst (+11,4%) und Performance AG +10,5%), Caravelle Vorzug sackten um über 80% auf 10 Cent ab, auch Inku (- 42%) und Admiral (- 24,5%) sackten ab.

Werner Michael Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse".