Zum Hauptinhalt springen

Wien kämpft mit "untauglichen Mitteln" um 32.700 Bürger

Von Veronika Gasser

Politik

Insgesamt werden 68.170 Hauptwohnsitze zu Streitfällen zwischen den Gemeinden. Die Hitliste der "Streithanseln" führen Wien, Linz und Salzburg an. Allein die Stadt Wien behauptet, dass 32.700 Bürger eigentlich ihr gehören, das sind knapp die Hälfte aller Reklamationsverfahren. Doch dies sei ein Kampf mit "untauglichen Mitteln", erklärt der Leiter der Volkszählung, Karl Isamberth. Die Anträge seien von mieser Qualität, was sie eigentlich chancenlos macht. Kosten und Aufwand des Reklamationsverfahrens wären jedoch, auch sehr zum Ärgernis der betroffenen Bürger, beträchtlich.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 22 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Einerseits setzt man auf den mündigen Bürger, wenn dieser aber eine Entscheidung trifft, dann reklamieren die Verlierer." Mit diesen Worten umreißt Isamberth das Problem der Reklamationsverfahren. Denn hier haben eben 68.170 Personen angegeben, dass nicht A, sondern B ihr Hauptwohnsitz sei. Mit dieser Entscheidung sind vor allem die Städte Wien, Linz und Salzburg nicht einverstanden. Linz, ein großer Verlierer der Volkszählung, will überhaupt zwei Drittel seiner Nebenwohnsitzte in Hauptwohnsitze umwandeln. "Das ist etwas frivol."

Vor allem sei zu bedenken, dass den Betroffenen, die sich nochmals deklarieren müssen, jegliches Verständnis fehle. "Die sehen nicht ein, warum sie von der Behörde nochmals behelligt werden." Die Städte hätten Angst beim Finanzausgleich zu verlieren und ergreifen daher jedes noch so "untaugliche Mittel". "Ich verstehe den Wunsch, die Einwohnerzahl zu optimieren, aber nicht, dass vollkommen miese Verfahren vom Zaum gebrochen werden." Allein im Innenministerium schätzt man die Kosten der Reklamationen auf 30 Mill. S, da seien die Aufwände der Gemeinden noch gar nicht eingerechnet.

Mehr Ausländer als 1991

Derzeit leben 730.239 Ausländer in Österreich, das sind um 212.549 mehr als bei der letzten Volkszählung. Der Schnitt liegt nun bei 9,1 Prozent, vor 10 Jahren waren es 6,6. Den größten Teil machen die insgesamt 328.370 Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien aus, seit 1991 kamen 130.484 dazu. Es folgen 130.100 hier lebenden Türken, deren Zahl um 11.500 anstieg. Der Rest von 110.000 entfällt auf EU-Bürger und 161.778 Imigranten kommen aus nahezu allen Teilen der Welt. Die meisten Ausländer (16,4 Prozent) wohnen in Wien. Danach folgen Vorarlberg (13,5 Prozent) und Salzburg (12 Prozent).

Auch bei dieser Volkszählung zeichnet sich weiterhin der Trend zu Singlehaushalten ab, deren Zahl hat um 27 Prozent zugelegt. Mehr als 1,1 Millionen leben heute allein.