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Wien repariert sich an die EU-Spitze

Von Werner Grotte

Europaarchiv

Im Jahr 1999 gründeten ein paar beherzte Kleinunternehmer, Langzeitarbeitslose und Abfallvermeider ein Netzwerk, das heute bereits 43 Betriebe im Raum Wien umfasst und vom Lederhandschuh bis zum Geschirrspüler alles repariert, was noch irgendwie zu retten ist. Pro Jahr werden dadurch fast 73.000 Reparaturen für über 4.400 Kunden durchgeführt, was Wien jeweils einen Müllberg von 11.000 Tonnen erspart.


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"Wir müssen weg von der Monopolstellung der Servicedienste der Herstellerfirmen, die im Sinne ihrer Auftraggeber jedes Gerät, das älter als fünf Jahre ist, für unreparierbar erklären", betont Initiator Sepp Eisenriegler, der mit seinem Langzeitarbeitslosen-Projekt R.U.S.Z. (Reparatur und Service Zentrum) in Wien-Penzing damals den Anstoß gab. Heute gilt sein Zentrum als hochspezialisierter Fachbetrieb, dessen Nachwuchs am Arbeitsmarkt ganz besonders gefragt ist.

Ex-Arbeitslose als Profis

"Bei uns sitzen die alten Profis unterschiedlicher Berufe, die man seinerzeit wegrationalisiert hat und bilden junge Fachkräfte aus", beschreibt Eisenriegler seine Elitetruppe, die sich mittlerweile vor Aufträgen kaum noch retten kann: Die Wartezeit für einen reparierten Videorecorder beträgt derzeit bis zu sechs Monate, "dafür funktioniert er dann aber garantiert und wir kriegen durch den hohen Rücklauf an Altgeräten auch fast jedes sonst nicht mehr erzeugte Ersatzteil", weiß Eisenriegler.

Zum Glück gibt es als Partner "die umweltberatung", die das Netzwerk im Rahmen der Initiative "Abfallvermeidung in Wien" betreut und Kunden weitervermittelt. "Es gilt, die Konsumenten davon zu überzeugen, dass sie mit Reparaturen besser und preiswerter leben, aber auch die Hersteller zu fordern: Drei Jahre Lebensdauer für Elektrogeräte sind einfach zu kurz", fordert Sprecherin Sabine Seidl mehr Qualität. Auch ihre 43 Mitglieder müssen strenge Kriterien, etwa ihr Hauptgeschäft als Reparatur-Fachbetrieb, erfüllen.

Eigener Transport-Service

Weil größere Geräte, wie etwa Waschmaschinen, nicht so ohne weiteres zum Fachbetrieb wandern, hat man einen von der Stadt Wien preislich gestützten Transportservice organisiert, der um zehn Euro pro Fahrt (15 Euro, wenn zwei Mann schleppen müssen) jedes Gerät abholt und zum Reparieren bzw. retour bringt. "Wir ersparen uns dadurch gut 400 Tonnen Abfälle und rund 11.000 Tonnen weggeworfene Geräte pro Jahr, was unser Recycling-System sehr entlastet", begründet Peter Frybert von der MA 48 das städtische Engagement.

Wien könnte aber durch diese Organisation noch zu ganz anderen, internationalen Ehren kommen: Die guten Erfahrungen der Stadt werden sowohl in die ab August 2005 geltenden EU-Elektro-Altgeräte-Richtlinien einfließen, als auch in die für 2008 vorgesehenen Wiederverwertbarkeits-Quoten. "Die Industrie argumentierte ihre Massen-Billigfertigungen bisher gern mit einer möglichen Reparaturquote von zwei bis drei Prozent - wir haben umfassend bewiesen, dass 10 Prozent realistisch sind", weiß Netzwerk-Mitbegründer Norbert Weiß, Autor des Buches "Die Reparaturgesellschaft".

Er fordert flankierend eine steuerliche Entlastung für die besonders arbeitsaufwändigen Reparaturberufe und mehr Druck auf die Hersteller, etwa in Form eines Gütesiegels für besonders reparaturfreundliche Produkte.

Wie sehr die Kunden das System schätzen, beweisen die aktuellen Zahlen: "Allein mit unserer Service-Hotline haben wir heuer bereits 4.405 Konsumenten an Netzwerkbetriebe weitervermittelt, unsere Website erreicht monatlich schon 71.215 Hits", berichtet Sepp Eisenriegler. Alle Netzwerk-Mitarbeiter bringen es übrigens zusammen auf sagenhafte 2.633 Jahre Reparaturerfahrung.

Hotline: 01/803 32 32

http://www.reparaturnetzwerk.at .

http://www.abfall.wien.at .