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Wien: Ruhe nach dem Sturmlauf

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Am Wiener Aktienmarkt ist nach dem letzten Sturmlauf die Luft schon sehr dünn geworden, weshalb in dieser Woche - nicht ganz unerwartet - eine Pause eingelegt wurde. Experten rechnen damit, dass die nun eingekehrte Ruhe mit etwas nach unten gerichteten Kursen bis zum Höhepunkt der Quartals-Berichterstattung heimischer Unternehmen im November anhalten könnte.


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Erwartungsgemäß orientierte sich der österreichische Markt in dieser Woche an der Entwicklung der internationalen Börsen, die sich allesamt in einer vom Ölpreis dominierten Woche abgeschwächt haben. Ton angebend war dabei die Weltleitbörse New York, die - gemessen am S&P 500 Index - etwa auf das Niveau vom Jahresanfang zurückgefallen ist. Die Stimmung an der Wall Street litt nicht nur unter dem anhaltend hohen Ölpreis, sondern auch unter enttäuschenden Unternehmenszahlen wie etwa dem weltgrößten Automobilhersteller General Motors.

In Europa hat die Berichtssaison mit den positiven Nachrichten des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia zum 3. Quartal, aber auch mit dem Ausblick auf das Schlussquartal, recht ansprechend begonnen. Sichtlich ausgewirkt hat sich das auf die europäischen Aktienmärkte jedoch nicht. Vielmehr wuchsen, anderes als in der Vorwoche, wieder die Sorgen, dass die nicht enden wollende Ölpreisverteuerung sich stärker auf die Transport- und Produktionskosten der Unternehmen auswirken wird, die Kaufkraft der Verbraucher verringert und schließlich deutliche Spuren in der Konjunktur hinterlassen wird.

Vor diesem Hintergrund war die Stimmung am Wiener Aktienmarkt deutlich gedämpft. Da die Quartal-Berichtssaison bei uns später anläuft waren von dieser Seite zunächst keine Impulse zu erwarten. Der ATX kämpfte eine Zeit lang mit der Marke von 2.100 Punkten, hat diese aber doch deutlich unterschritten. Verantwortlich dafür waren vor allem die schwachen Indexschwergewichte OMV, Erste Bank und BA-CA. Der Wiener Leitindex beendete diese Woche mit 2.087,75 Zählern, was im Wochenabstand ein Minus von 1,42% bedeutet. Auch der den Gesamtmarkt repräsentierende WBI schwächte sich ab, und zwar um 1,11% auf 812,12 Punkte. Positiv entwickelte sich hingegen der ViDX, der Index für die wachstums- und technologieorientierten Werte, der um 1,62% auf 1.133,15 Punkte gestiegen ist.

Aufgrund der meist schwachen Indexschwergewichte traten im prime market die Aktien aus der zweiten Reihe in das Rampenlicht. So zogen S&T (+12,5%) auf ein neues Jahreshoch an. Agrana (+9,2%) profitierte von den guten Halbjahreszahlen 2004/05 und der Wachstumsdynamik im jüngsten Geschäftsfeld Fruchtsaftkonzentrate und Fruchtzubereitungen. Vom Markt gut aufgenommen wurde auch die Aussicht auf eine Kapitalerhöhung, wodurch sich die Liquidität der Streubesitzaktien erhöhen würde. Freundlich präsentierten sich auch Brain Force (+4,2%), JoWooD (3,2%), BWT (+2,9%), UNIQA und AUA (jeweils +2,1%) sowie Semperit (+2%). OMV litten unter Gewinnmitnahmen und gaben um 5% nach. Deutlich schwächer notierten auch Wolford und Erste Bank (jeweils -3,4%), BA-CA (-3,2%), Böhler-Uddeholm (-2,8%) und Flughafen Wien (-2%). Erste Bank wurde von UBS von "buy" auf "neutral" zurückgestuft. Telekom Austria (+1,8%) blieb von der Rückstufung durch die Commerzbank unbeeindruckt.

Am Dritten Markt kam es zur Erstnotiz von betbull mit 5,67 Euro und damit deutlich unter dem Emissionspreis von 7 Euro. Die Aktie des Internetwettbörsenanbieters gab im Wochenverlauf auf 5,55 Euro weiter nach.

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse"