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Wien schwimmt gegen den Strom

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Der österreichische Aktienmarkt präsentierte sich in der zweiten Augustwoche in guter Verfassung. Dies ist um so bemerkenswerter, als das internationale Börsenumfeld durchwegs im Minus war und einzelne Börsenplätze sogar auf neue Jahrestiefstände zurückgegangen sind. Die größte Belastung für die Märkte war zweifellos der auf immer neue Rekordhöhen kletternde Rohölpreis, der die Verbraucher wie auch die Unternehmen massiv belastet.


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Die gestiegenen Energiepreise waren auch verantwortlich dafür, dass der US-Einzelhandel im Juli mit einem Anstieg um 0,7% unter den Erwartungen (1,2%) geblieben ist. Wenig ermutigend waren auch die veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für Juli, die ebenfalls schlechter ausfielen als vom Markt erwartet. Der Beschäftigungszuwachs außerhalb der Landwirtschaft stieg im vergangenen Monat nur um 32.000, während die Markterwartung bei 240.000 gelegen war.

Die US-Notenbank hat den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,50% angehoben, was die Börsen nicht sonderlich berührte. Laut Fed-Statement haben sich Produktion und Erholung am Arbeitsmarkt wegen des Anstiegs der Energiepreise zwar verlangsamt, die Wirtschaft zeige aber weiterhin Anzeichen für eine erneute Beschleunigung.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone hat im zweiten Quartal mit einem Anstieg um 0,5% den Markterwartungen (0,6%) fast genau entsprochen. Analysten gehen davon aus, dass der bestimmende Faktor für die Aktienmärkte weiterhin die Ölpreisentwicklung bleiben wird.

Trotz des schwachen internationalen Umfelds konnte sich die Wiener Börse dem negativen Trend weitgehend entziehen und schwamm gegen den Strom. Durchaus positiv verlief diese Woche die Berichtssaison, mit erfreulichen Ergebnissen von Palfinger, Investkredit sowie BWT als einzigem ATX-Wert. Mit Spannung wartet der Markt nun auf die Berichte in der kommenden Woche von weiteren ATX-Titeln wie Erste Bank, OMV, voestalpine, BETandWIN.com und Wienerberger.

Der Leitindex ATX erhöhte sich in dieser Woche um 0,82% auf 2.011,72 Punkte. Der WBI als Messgröße für den Gesamtmarkt stieg um 0,69% und schloss mit 779,96 Zählern. Die im ViDX abgebildeten wachstums- und technologieorientierten Werte schwächten sich hingegen um 0,64% auf 1.125,12 Punkte ab.

Im prime market waren in dieser Woche Topcall (+11,5%), BWT (+6,4%), VA Tech (+5,8%), Generali Holding (+4,0%) und das Indexschwergewicht Telekom Austria (+4,7%) die größten Gewinner der Woche. Während BWT offensichtlich von den guten Halbjahreszahlen profitierte, lagen bei den anderen Unternehmen keine Kurs bestimmenden Nachrichten vor.

VA Tech markierten in den letzten Tagen gleich mehrmals ein neues Jahreshoch. Leicht zulegen konnte Investkredit (+2,5%) angesichts des in den Erwartungen gelegenen guten Halbjahresergebnisses. Freundlicher präsentierten sich weiters Flughafen Wien (+2,6%), Eybl (+2,2%), OMV (+2,1%), Brain Force und BA-CA (jeweils +1,8%) sowie Andritz (+1,5%). Der Grazer Maschinen- und Anlagenbauer markierte ebenso ein neues historisches Hoch wie BA-CA, die beide danach etwas korrigierten.

Die größten Verlierer waren JoWooD mit minus 10,3% und AUA mit minus 9,7%. Die heimische Fluglinie litt nicht nur unter dem hohen Ölpreis, sondern auch unter dem Warnstreik der Crew. Trotz des ausgezeichneten Halbjahresergebnisses sackte der Kran- und Hebespezialist Palfinger um 6,8% ab. Deutlich schwächer notierten auch Head (-7,2%) sowie BETandWIN.com (-3,2%). n

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse"