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Wien und Niederösterreich im Strahlenkrieg

Von Eva Stanzl

Wissen

Rektor der Medizinuni Wien droht, die Kooperation mit Medaustron zu beenden.


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Wiener Neustadt/Wien. Rund 90 Strahlenbiologen, Mediziner, Medizin- und Beschleunigungsphysiker tagten diese Woche in den Gebäuden von Medaustron, dem neuen Zentrum für Ionentherapie in Wiener Neustadt. Beim Jahrestreffen der "Union of Light Ion Centres in Europe" tauschten sich Pioniere aus aller Welt zu neuesten Ergebnissen der noch jungen Partikeltherapie im Kampf gegen Krebs aus. Unterdessen stagniert jedoch die Zusammenarbeit von Medaustron mit heimischen Institutionen. "Wir überlegen, die Kooperation zu beenden", sagt Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinuniversität Wien, zur "Wiener Zeitung".

Der Hintergrund: Ab 2015 sollen in Wiener Neustadt jährlich 1400 Gehirntumor-Patienten behandelt werden. Zudem soll Medaustron ein Ort der Grundlagenwissenschaft, der translationalen und der klinischen Forschung werden, damit die Strahlungszeiten am Teilchenbeschleuniger, dessen Bau 200 Millionen Euro kostet, rund um die Uhr genutzt werden können. Zu diesem Zweck finanziert der Bund als Minderheitseigentümer über die Leistungsvereinbarungen mit den Unis zwei Professuren für Grundlagenforschung - eine für "Beschleunigerphysik" an der Technischen Universität Wien und eine für "Medizinische Strahlenphysik und Onkotechnologie" an der Medizinuni Wien. Zusätzlich hat das Land Niederösterreich zwei Stiftungsprofessuren für klinische Forschung angekündigt, und zwar für "Medizinische Strahlenphysik und Ionen-therapie" und für "Angewandte Strahlenbiologie". Die so entstehenden Teams für klinische und Grundlagenforschung sollen eng zusammenarbeiten. Diese Prämisse ist auch ein Teil der Ausschreibungen durch die Unis, die im Oktober Semesterbeginn haben. Doch obwohl die Zeit drängt, scheint man keine Eile zu haben. "Der Entwurf eines Memorandums of Understanding für die Zusammenarbeit liegt seit Dezember in der Lade. Bis jetzt haben die Betreibergesellschaft EBG und das Land Niederösterreich aber noch keinen Unterzeichnungstermin mit uns gefunden", sagt Schütz.

Zuvor hatte Medaustron-Geschäftsführer Thomas Friedrich in der "Wiener Zeitung" betont, dass Bund und Land sich die Finanzierung der Stellen zwar teilen würden, jedoch die Professoren "unabhängig von monetären Aspekten" durch die Unis zu berufen seien. Für Schütz ist diese Aussage "völlig unverständlich, denn eine Ausschreibung kann man erst machen, wenn man die Finanzierung sicher weiß - oder in diesem Fall eine Stiftungszusage hat. Aus irgendeinem Grund will man offensichtlich kein Geld mehr springen lassen", erklärt er: "Wir sind mit unserem Latein am Ende."

Nun will Schütz einzig die in den Leistungsvereinbarungen verankerte Professur ausschreiben. Dann würde der neue Professor für Medizinische Strahlenphysik ausschließlich in Wien tätig sein und nicht am Teilchenbeschleuniger in Wiener Neustadt. "Wir haben ein Schreiben formuliert, wonach wir die Kooperation beenden. Denn was soll ich machen, wenn sie nicht wollen?", sagt er.

Ob das des Rätsels Lösung ist, muss sich weisen. "Die Uni muss beide Professuren ausschreiben", sagt Barbara Weitgruber, zuständige Sektionschefin im Wissenschaftsministerium. Sie betont: "Die Vereinbarungen zur Stiftungsprofessur laufen zwischen den Unis und der Betreibergesellschaft des Landes. Wir sind dabei kein Vertragspartner."

Wie die Vereinbarungen letztlich ausfallen werden, hängt nicht zuletzt vom Betriebskonzept über die Nutzung von Medaustron ab, sowie vom Interesse der Betreibergesellschaft und des Landes an der Stiftungsprofessur. Offenbar ist man sich derzeit weder über das eine noch das andere zur Gänze im Klaren.