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Der Streit in Wien um die Änderung des Wahlrechts hat etwas Skurriles. Da geraten sich zwei Koalitionspartner in der am schnellsten wachsenden Hauptstadt Europas in einem zentralen Punkt in die Haare. Der Bürgermeister und die Grünen-Chefin richten einander über die Medien gröbere Unfreundlichkeiten aus.
Maria Vassilakou kündigt nun "weitreichende Konsequenzen" an. Rein logisch betrachtet könnte das nur das vorzeitige Ende der Legislaturperiode sein, die noch bis maximal 4. Oktober läuft. Wenn die Grünen diesen Schritt machen, brauchen sie die Zustimmung aller Oppositionsparteien, um die SPÖ zu überstimmen. Die Volkspartei hat sich noch nicht klar geäußert. Und wenn die Grünen diesen Weg einschlagen, ist eine Fortsetzung von Rot-Grün in Wien danach nur schwierig darstellbar.
Bei vergleichbaren Auseinandersetzungen im Bund würde wohl schon die "schwerste Koalitionskrise aller Zeiten" ausgerufen. Wien bleibt vergleichsweise entspannt. Bürgermeister Michael Häupl erklärt sogar noch, er wisse zwar den Wahltermin, nenne ihn aber jetzt noch nicht, da er den Unsinn von politischen Inszenierungen gelegentlich mitmache.
Das hört sich nicht sehr aufgeregt an, obwohl die SPÖ doch vor der Möglichkeit steht, in Wien überstimmt zu werden. Für die Partei, die seit 1945 den Bürgermeister stellt, doch ein unerhörter Vorgang.
Bleibt also die Interpretation, dass Häupl auch in dieser Frage inszeniert, sich also cooler gibt, als er wirklich ist. Und vielleicht versucht die Wiener SPÖ ja auch, die Grünen in der Wahlrechtsfrage ins Leere laufen zu lassen. Wenn die Wiener ÖVP vom "Reinhold-Mitterlehner-Effekt" nur ein bisschen profitiert, wäre auch sie ein möglicher Koalitionspartner für die SPÖ nach der Wahl. In der Wiener SPÖ-Spitze hat diese Idee gar nicht wenige Anhänger.
In der politischen Begegnungszone Wiens treffen derzeit also viele unterschiedliche Interessen aufeinander. Und wie es halt in Wien üblich ist, spricht jeder Subtext, die wahren Beweggründe bleiben verborgen. Aber das macht nichts, Rat und Trost spendet Helmut Qualtingers Erkenntnis, wonach "Wien ein Labyrinth ist, in dem sich jeder auskennt". Mit Ausnahme der erst kürzlich Zugewanderten, die solches Treiben mit Wahlenthaltung quittieren könnten. Hier endet die Gaudi allerdings abrupt.

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