Zum Hauptinhalt springen

Wiener Börse steckt im Sommerloch

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Der österreichische Aktienmarkt ist in ein Sommerloch geschlittert, wobei es derzeit nicht abschätzbar ist, wie rasch er sich davon wieder losreißen kann. Allgemein kehrte Ernüchterung ein - von der Euphorie des ersten Halbjahres ist so gut wie nichts mehr zu sehen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 22 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Während sich Wien monatelang von der internationalen Börsenschwäche abkoppeln konnte, ist die Lage derzeit bei weitem nicht mehr so freundlich wie noch vor wenigen Wochen. Wesentlichen Anteil daran hatten die Unternehmensergebnisse für das erste Halbjahr 2001, die gezeigt haben, dass auch hier zu Lande die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Einigen wenigen erfreulichen Unternehmensnachrichten stehen zahlreiche schlechtere Geschäftsergebnisse gegenüber. Zwar wehren sich die Unternehmen tapfer gegen die konjunkturelle Schwäche, können sich dieser aber nicht ganz entziehen. Über empfindliche Ertragseinbußen hatte in der vergangenen Woche die Austrian Airlines zu berichten, aber auch bei anderen Unternehmen sind die Ergebnisse angespannt. Der Automobilausstatter Eybl International mußte gar eine Gewinnwarnung ausgeben. Wie schwierig es für die Unternehmen ist, zeigt sich auch darin, daß die heimischen Wertpapieranalysten die Gewinnprognosen immer wieder nach unten korrigieren müssen. Für die Anleger ist damit der Reiz, in österreichische Aktien zu investieren, bei weitem nicht mehr so groß wie noch vor einigen Monaten. Die Zurückhaltung der Anleger kam auch in den Tagesumsätzen entsprechend zum Ausdruck, die in der Berichtswoche um über 20% unter dem Jahresdurchschnitt gelegen sind.

Der Blue Chip Index ATX, der zu Wochenbeginn unter den 1.200-Punkte-Marke gerutscht war, schloß die Berichtswoche mit 1.209,36 Zählern, was gegenüber dem Vorwochenschluß eine magere Erhöhung um 0,1% bedeutet. Der WBI als Indikator für den Gesamtmarkt ist mit 490,73 Punkten gegenüber der Vorwoche (490,77) praktisch unverändert geblieben. Der Wiener Börse ist es damit nicht gelungen, dem Aufwärtstrend der europäischen Märkte zu folgen.

Die im ViDX abgebildeten wachstums- und technologieorientierten Werte haben sich nur marginal abgeschwächt. Stabilisierend wirkte hier die Befestigung der grundkapitalgewichtigen Telekom Austria, während die ebenfalls schwergewichtige BWT nach unten gezogen hat.

Im ATX-Markt waren die Rückgänge zahlenmäßig etwas in der Überzahl. Stärker nachgegeben haben hier BWT (-7,5%), BETandWIN.com (-4,9%) und VA Tech (-4,8%). Telekom Austria waren im A-Markt der Gewinner der Woche mit plus 5,7%, gefolgt von EVN (+3,6%) und Wolford (+3,5%). Austrian Airlines hat die Veröffentlichung des rotgefärbten Halbjahresergebnisses überraschend gut verdaut und konnte das Kursniveau halten.

Im Specialist Market gaben Feratel mit einem 28,3%igen Kursanstieg im Wochenabstand ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Erfreulich entwickelten sich in der vergangenen Woche auch CLC (+9,9%) und HypoVereinsbank (+7%). Fester notierten auch stage1.cc und Performance AG mit Kurserhöhungen um jeweils mehr als 3%. Demgegenüber stürzten BlueBull um knapp 27% ab. Deutlich tiefer notierten weiters Hirsch Servo (-7,1%) und SW Umwelttechnik (-6,4%).

Bei den im C-Markt gelisteten Small Caps setzten Agra Tagger ihren zuletzt gezeigten Aufwärtstrend mit einem kräftigen Kursplus von 30% weiter fort. Kapital & Wert stiegen um knapp 10%. Die Vorzugsaktien der Vogel & Noot Holding sackten um 20% auf ein neues Jahrestief von 11,40 Euro ab. Rath büßten knapp 13% an Wert ein.

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift "bankundbörse"